William Optics Ultracat 56
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Testbericht: William Optics UltraCat 56

Ein alternativer Widefield-Spezialist

Mit dem UltraCat 56 bringt William Optics ein extrem kompaktes, rein auf Astrofotografie ausgelegtes System auf den Markt. Das Konzept ist klar: maximale Bildqualität bei minimalem Aufwand – ohne zusätzliche Korrektoren, ohne Basteln an Backfocus-Distanzen. Doch wie gut funktioniert das in der Praxis?

Technische Daten

  • Öffnung: 56 mm
  • Brennweite: 269 mm
  • Öffnungsverhältnis: f/4.8
  • Optik: 5-Element Petzval (inkl. ED- und Lanthan-Gläser)
  • Bildkreis: 50 mm (Vollformat + Mittelformat kompatibel)
  • Fokussierer: WIFD Internal Focuser
  • Gewicht: ca. 2,6 kg (OTA)
  • Gesamtsystem: ca. 3,2 kg

Lieferumfang

Typisch für William Optics fällt der Lieferumfang sehr vollständig aus:

  • Tubus mit integrierter Optik
  • Bahtinov-Maske im Deckel integriert
  • Rotator + Tilt-Unit (STX)
  • Adapter (M48 / M54 / M68)
  • Prismenschiene + Griff
  • Transporttasche
  • Imbusknochen für die Tilt-Unit

Damit ist das Gerät out of the box einsatzbereit – ein klarer Vorteil gegenüber klassischen Refraktoren.

Verarbeitung & Mechanik

Wie gewohnt liefert William Optics eine sehr hochwertige Verarbeitung:

  • CNC-gefräster Tubus
  • stabile Rohrschellen + Griff
  • sauber laufender Rotator
  • präzise Skalen

Das Highlight ist der WIFD-Fokussierer (Internal Focuser):
Dieser sitzt im Inneren des Tubus und verhindert das typische „Durchhängen“ bei schweren Kameras. Das sorgt für:

  • bessere Stabilität
  • keine Verkippung durch Auszug
  • konstante optische Achse

Gerade bei Vollformat-Setups ist das ein echter Vorteil, denn minimalste Verkippung im Kamerastrang kann zu Tilt in den Ecken oder Rändern führen.

Optisches Design – der Schlüssel zum Konzept

Der UltraCat 56 nutzt ein 5-elementiges Petzval-Design. Das bedeutet:

  • integrierter Flattener
  • kein zusätzlicher Korrektor nötig
  • fixer Backfocus

Das System liefert einen komplett ebenen Bildkreis von 50 mm

👉 In der Praxis heißt das:
Einfach Kamera anschließen → Fokus einstellen → loslegen.

Praxiseindruck

Bildfeld & Einsatzbereich

Mit 269 mm Brennweite bewegt sich der UltraCat klar im Ultra-Widefield-Bereich:

Perfekt für:

  • große Nebel (Nordamerika, Rosette, Kalifornianebel, Andromedagalaxie)
  • Milchstraßenfelder
  • großflächige Hα/OIII-Projekte

Weniger geeignet für:

  • Galaxien (zu klein für die Brennweite von 269mm)
  • planetarische Nebel

Schärfe & Sternabbildung

Typisch für Petzval-Systeme:

Sehr gute Sternabbildung bis in die Ecken, insbesondere bei:

  • APS-C: praktisch perfekt
  • Vollformat: sehr gut, minimale Vignettierung möglich

Die Kombination aus:

  • ED-Gläsern
  • Lanthan-Element
  • fest integriertem Korrektor

sorgt für keine bzw. kaum sichtbare chromatische Aberration

Einzelbild 30 Sekunden mit einer ZWO ASI2600MC Pro AIR
Einzelbild 30 Sekunden mit einer ZWO ASI2600MC Pro AIR

Geschwindigkeit (f/4.8)

Mit f/4.8 gehört das System zu den schnellen Geräten:

  • kurze Belichtungszeiten
  • ideal für Schmalband
  • effizient bei schwachen Nebeln

Allerdings:
Bei sehr schnellen Optiken können Filter (z. B. 3 nm) leichtes Bandshift zeigen – das ist systembedingt und schwer vermeidbar.

Fokussierung

Der interne Fokus ist:

+ extrem stabil
+ perfekt für Motorfokus (EAF-kompatibel)
– etwas ungewohnt in der Bedienung

Die integrierte Bahtinov-Maske ist ein echtes Praxis-Feature:
→ Fokus in Sekunden gesetzt (auch ohne EAF)

Tilt & Justage

Der integrierte Sensor Tilt Xterminator (STX) ist Gold wert:

  • schnelle Justage ohne Zerlegen
  • ideal bei Vollformat
  • reduziert Frust enorm
  • keine Notwendigkeit für externen Tilter

Gerade in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich.

Ultra-Tilt Vorrichtung am William Optics Ultracat 56

Beispielaufnahmen

M42 Orionnebel mit dem William Optics Ultracat 56
Testaufnahme mit 10 Einzelbildern á 60 Sekunden mit einer ZWO ASI2600MM Pro AIR
M42 Orionnebel mit dem William Optics Ultracat 56
Ausschnittsvergrößerung aus obiger Aufnahme

Stärken

✔ Komplettsystem ohne Zubehör-Zwang
✔ Sehr großer Bildkreis (bis Mittelformat nutzbar)
✔ Hervorragende Mechanik (kein Durchhang)
✔ Extrem mobil & reisefreundlich
✔ Schnelles System (f/4.8)
✔ Kein Backfocus-Stress

Vergleich zum Askar SQA55

Sehr ähnliches Konzept, aber:

UltraCat 56:

  • moderneres Design
  • interner Fokussierer (großer Vorteil)
  • besser integrierte Features (Ultra-Tilter)

SQA55:

  • günstiger
  • einfacher aufgebaut
  • Riemenantrieb für Fokussierung
  • Spikes an hellen Sternen

👉 Kurz gesagt:
Der UltraCat ist die High-End-Variante dieses Konzepts.

Spikes

Beim Askar SQA55 konnte mich insbesondere die Sternabbildung bei hellen Sternen nicht vollständig überzeugen. Auffällig sind deutlich sichtbare Spikes, die nach bisherigen Erfahrungen nicht auf Serienstreuung zurückzuführen sind, sondern systembedingt bei allen Modellen auftreten.

Die Aufnahmen wurden beide mit Farbkameras ohne zusätzlichen Filter gemacht. Die Spikes sind normalerweise beugungs- oder streulichtbedingt und sind, wie bereits oben erwähnt, beim Askar SQA55 nicht nur bei meinem Modell aufgetreten.

Askar SQA55
William Optics Ultracat 56

Auch die gewählte Lösung zur Fokussierung über einen Riemenantrieb beim Askar SQA55 wirkt in der Praxis nicht optimal umgesetzt. Das erforderliche EAF-Kit muss separat erworben werden, und der nachträgliche Anbau führt zudem zu einer spürbaren Beeinträchtigung der Handhabung, da das System insgesamt deutlich unhandlicher wird.

Fazit

Der UltraCat 56 ist kein Allround-Teleskop – sondern ein hoch spezialisierter Astrofotografie-Astrograf für Wide-Field-Aufnahmen.

Er richtet sich an Nutzer, die:

  • ohne Gefrickel arbeiten wollen (z.B. integrierter Titler bzw. EAF problemlos montierbar)
  • maximale Feldgröße suchen
  • Vollformat sauber ausleuchten möchten

Gesamtbewertung: 9 / 10

👉 Wer genau weiß, was er will (Widefield!), bekommt hier eines der aktuell elegantesten Systeme am Markt.

Auf Astrobin unter:

https://app.astrobin.com/forum/topic/221500?post=261421

wird von auffälligen Reflexionen berichtet, die der UltraCat 56 haben soll insb. bei Einsatz von Filtern. Die letzte Korrekturlinse sitzt relativ nah am Ende des Okularauszugs (siehe Fotos im Beitrag) und die verbauten Ringe und Stutzen sind zwar schwarz lackiert, aber offenbar gibt es dennoch Reflexionsprobleme.

In meinem Testsetup habe ich ausschließlich eine Farbkamera (ZWO ASI2600MC AIR) verwendet und keinerlei Filtern oder weiteres Zubehör.

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