Testbericht: Askar SQA106 – Quintuplet-Petzval Astrograph für anspruchsvolle Astrofotografie
Der SQA106 ist ein 106 mm f/5 Quintuplet-Astrograph mit integriertem Flattener und richtet sich klar an Astrofotografen, die ohne zusätzliche Korrektoren direkt loslegen wollen. Ich habe das Gerät mehrere Nächte unter realen Bedingungen getestet – mit unterschiedlichen Kameras und Setups.
1. Technische Daten
- Öffnung: 106 mm
- Brennweite: 509 mm
- Öffnungsverhältnis: f/4.8
- Optisches Design: Quintuplet Petzval APO (inkl. integriertem Flattener)
- Gewicht: ca. 5,82 kg (ohne Zubehör und Rohrschellen)
- Backfocus: 55 mm
- Anschluss: M48 / M54 (je nach Adapter)
In der Praxis ist vor allem interessant: f/4.8 bei 509 mm ist ein sehr brauchbarer Kompromiss aus Geschwindigkeit und Bildfeld – gerade für größere Nebel und Galaxien.
2. Optisches Design
Das Quintuplet-Design mit fest integriertem Flattener bedeutet: kein Gefummel mit Abstandsringen und kein Rätselraten beim Backfocus (zumindest theoretisch).
Der Vorteil liegt auf der Hand:
- gleichmäßiges, flaches Bildfeld
- weniger Fehlerquellen im Setup (bedingt durch Ringe, Abstandshülsen usw.)
Der Nachteil:
- man ist weniger flexibel als bei separatem Flattener/Reducer
- falls etwas optisch nicht passt, lässt sich nichts „nachjustieren“
3. Verarbeitung und Mechanik
Mechanisch macht der SQA106 einen sehr soliden Eindruck:
- sauber lackierter Tubus
- stabile Rohrschellen mit Griff
- solide Prismenschiene
Nichts klappert oder wirkt billig. Insgesamt auf dem Niveau, das man in dieser Preisklasse erwarten darf – Askar typisch und bereits von vielen Modellen bekannt.



4. Optische Leistung (Schärfe, Sterne, Farbkorrektur)
Hier wird es interessant – und entscheidend.
Schärfe / FWHM:
In meinen Aufnahmen lag die FWHM im Bereich von ~3.5–4.5 (je nach Seeing), was absolut im Rahmen ist.
Sternabbildung:
- im Zentrum sehr sauber und rund
- zu den Rändern hin bei APS-C keine Verformungen der Sternscheibchen erkennbar
- bei Vollformat leicht zunehmende Vignettierung in den äußersten Ecken
Farbkorrektur:
Sehr gut kontrolliert. Keine auffälligen Farbsäume selbst bei helleren Sternen – das Quintuplet-Design spielt hier seine Stärke aus.
5. Mechanik & Handling (Fokussierer)
Der Fokussierer ist ein kritischer Punkt bei Astrographen – hier schlägt sich der SQA106 ordentlich, aber nicht perfekt:
Positiv:
- ausreichend tragfähig für gängige Setups (gekühlte Kamera + Filterrad)
- feinfühlig einstellbar
- Fokus hält stabil über mehrere Stunden
Neutral bis kritisch:
- bei sehr schwerem Setup merkt man eine leichte Tendenz zum Nachgeben
- Feintrieb könnte etwas präziser sein
Für die Praxis reicht es – wer aber motorfokussiert über EAF, sollte keinerlei Probleme haben, etwaiges Backlash kann ausgeglichen werden.

EAF
Ein EAF kann einfach installiert werden und bereits vorgesehene Bohrlöcher am Fokussierer sind für viele EAF-Systeme passend.

6. Spot-Diagramm Analyse
Das Spot-Diagramm des Askar SQA106 gehört tatsächlich zu den stärkeren Punkten dieses Geräts – aber man muss es sauber lesen, sonst wirkt es „zu gut, um wahr zu sein“.
6.1. Grundverständnis: Was hier überhaupt dargestellt ist
Du siehst mehrere Felder (IMA 0 mm bis ~27,5 mm).
Das entspricht dem Abstand vom Bildzentrum → bis weit in den Randbereich eines großen Sensors (Richtung Vollformat / darüber hinaus).
Die farbigen Punkte sind verschiedene Wellenlängen (ca. 420 nm bis 700 nm).
Wichtig:
👉 Je enger diese Farben übereinander liegen, desto besser die Farbkorrektur.
6.2. Zentrum (IMA 0 mm)
Im Zentrum ist der Spot praktisch punktförmig.
- extrem kleine Streuung
- Farben nahezu deckungsgleich
- RMS laut Daten < ~1,6–1,7 µm
Einordnung:
Das ist optisch „sehr sauber“.
Die Spotgröße liegt deutlich unter typischen Kamera-Pixelgrößen (3–5 µm).
👉 Bedeutet:
Das System ist im Zentrum seeing-limitiert, nicht optik-limitiert.
6.3. Mittleres Feld (IMA 3 – 14 mm)
Hier wird es interessant – das ist der Bereich APS-C bis nahe Vollformat.
Beobachtung im Diagramm:
- Spots bleiben sehr kompakt
- kaum Elongation (kein Astigmatismus sichtbar)
- minimale Farbtrennung
Interpretation:
- praktisch keine Bildfeldkrümmung
- kaum Koma
- Farbkorrektur weiterhin sehr gut
👉 Genau das ist typisch für ein Petzval/Quintuplet-Design:
Das Feld ist bereits optisch „platt gerechnet“.
6.4. Randbereich (IMA ~21 – 27,5 mm)
Das ist der kritische Bereich (Vollformat-Ecken / darüber hinaus).
Was man sieht:
- Spots werden leicht größer
- minimale Struktur (kein perfekter Punkt mehr)
- aber: immer noch sehr kompakt und rund
Die Herstellerangabe passt dazu:
- Rand-RMS < ~2,2 µm (deutlich unter typischen Seeing-Bedinungen)
6.5. Wichtiger Punkt: Verhältnis Zentrum vs. Rand
Das ist der eigentliche Schlüssel zur Bewertung:
- Zentrum: ~1,6 µm
- Rand: ~2,2 µm
👉 Unterschied: sehr gering
Das ist ungewöhnlich gut, denn viele Systeme verdoppeln oder verdreifachen den Spotradius zum Rand.
Praxisübersetzung:
- Sternform bleibt über das Feld stabil
- keine dramatischen „Corner-Probleme“
- Vollformat grundsätzlich gut nutzbar
6.6. Farbkorrektur im Diagramm
Achte auf die Farbpunkte:
- nahezu deckungsgleich im Zentrum
- auch im Rand nur minimal auseinandergezogen
👉 Das bedeutet:
- sehr geringe chromatische Aberration
- keine ausgeprägten Farbsäume zu erwarten
Das deckt sich mit der Theorie:
zwei SD-Gläser + 5 Linsen → starke Farbkorrektur
6.7. Kritische Einordnung
a) „Zu perfekt“?
Spot-Diagramme sind theoretisch berechnet, nicht gemessen.
👉 In der Praxis sieht man oft:
- leicht mehr Sternverformung in den Ecken
- minimalen Tilt-Einfluss
- Seeing dominiert sowieso, abseits der theoretisch berechneten Werte
b) Sampling-Falle
2 µm Spotgröße klingt extrem gut – aber:
- typische Kamera: 3,76 – 4,63 µm Pixel (z.B. IMX571 mit 3,76µm)
- ⇒ Spot ist kleiner als ein Pixel
👉 Ergebnis:
- Unterschiede im Spot-Diagramm sind praktisch kaum sichtbar im Bild
- Seeing (2–3″) ist der limitierende Faktor, nicht die Optik
c) Was man NICHT sieht
Ein Spot-Diagramm zeigt nicht:
- Tilt-Probleme
- mechanische Schwächen
- Verkippung durch Fokussierer
- reale Justageabweichungen
👉 Genau deshalb sind echte Astrofotos mit dem jeweiligen Teleskop so wichtig.
Hinzu kommt die sog. Serienstreuung des Herstellers.
6.8. Fazit
Das Spot-Diagramm des SQA106 zeigt ein optisch sehr gut korrigiertes System:
- extrem kleine Spots im Zentrum
- nur geringe Verschlechterung zum Rand
- sehr gute Farbüberlagerung
- praktisch kein Hinweis auf Koma oder Feldkrümmung
Aber entscheidend:
In der Praxis wird man diesen theoretischen Vorteil nur begrenzt sehen, weil:
- Seeing deutlich stärker limitiert
- Sensorauflösung meist gröber ist
- mechanische Einflüsse dazukommen
👉 Übersetzt in „Amateur-Sprache“:
Das Diagramm verspricht sehr viel – und das Teleskop hält davon auch einiges.
Aber die letzten paar Prozent sieht man eher auf dem Papier als im fertigen Bild.
7. Astrofotografie-Praxis
Alle Testfotos sind in einer Vollmondphase entstanden ohne zusätzliche Filter.
Getestet wurde u. a. mit:
- APS-C Farb- und Monokamera (ZWO ASI2600MM und ASI2600MC AIR, Vollformat folgt)
- Belichtungszeiten zwischen 10s-300s
Ergebnisse:
- sehr angenehmes Arbeiten durch festen Flattener
- gleichmäßige Ausleuchtung ohne auffällige Vignettierung (mit Flats gut korrigierbar)
In der Bearbeitung mit PixInsight ließ sich das Material problemlos verarbeiten:
- Sternformen bleiben stabil bei Deconvolution
- kaum chromatische Artefakte
Das spricht für eine insgesamt saubere Optik.
7.1. Tilt
Tilt ist die Verkippung von Sensor oder optischer Achse, wodurch die Schärfeebene schräg liegt und eine Bildseite unscharf wird

Die Tilt-Analyse zeigt keinerlei Verkippung mit einer ZWO ASI2600MC AIR Kamera am Askar SQA106.
7.2. Analyse der FWHM/Eccentricity-Werte
Die gemessene FWHM von 2.50 px liegt im guten Bereich und ist unter realen Bedingungen als praxisnah einzustufen. Besonders positiv fällt die Eccentricity von 0.46 auf, die auf eine insgesamt saubere und weitgehend runde Sternabbildung hinweist.

7.2.1. FWHM (Median: 2.49 px)
Einordnung:
- < 2.0 px → sehr scharf (Top-Niveau)
- 2.0 – 3.0 px → gut bis sehr gut
- 3.5 px → Seeing / Fokus / Tracking limitiert
👉 Askar SQA106 Wert: 2.49 px → klar im guten Bereich
7.2.2. Eccentricity (Median: 0.4605)
👉 Das ist der entscheidende Unterschied.
Einordnung:
- 0.35 – 0.45 → sehr gut
- 0.45 – 0.48 → gut
- 0.50 → sichtbar elongiert
👉 0.46 = sauberer Bereich
7.2.3. Streuung (MAD)
- MAD FWHM: 0.29 px → gut
- MAD Eccentricity: 0.086 → ok, aber nicht super niedrig
👉 Interpretation:
- Sternschärfe recht gleichmäßig
- leichte Variation in der Sternform bleibt vorhanden
7.3. Aberrationen/Koma
An den Rändern und Ecken sind keinerlei Aberrationen oder Koma erkennbar. Punktförmige Sterne ohne Farbsäume oder auffällige Beugungsspitzen.





8. Montierungsempfehlung
Mit rund 8,1 kg (inkl. Rohrschellen) plus Kamera, Guiding usw. landet man schnell bei 9–10 kg Gesamtgewicht.
Realistisch sinnvoll sind Montierungen in der Klasse von:
- EQ6-R / vergleichbare Modelle
- ZWO AM5N
- iOptron CEM40 / GEM45
Eine zu kleine Montierung wäre hier verschenktes Potenzial – das Teleskop verlangt nach stabiler Nachführung.
Fazit
Der SQA106 ist ein sehr durchdachter Astrograf mit klaren Stärken:
Pluspunkte:
- sehr gute Farbkorrektur
- unkompliziertes Handling durch integrierten Flattener (Petzval-Design)
- gute Sternabbildung bis APS-C und Vollformat (Seeing-limitiert)
- gute Ausstattung mit Sucherschuhen und Zubehörschiene für zusätzliches Zubehör
- M48, M54 und M68 Adaption
- einfache EAF Montage mit dafür vorgeseher Verschraubung
- stabile und fest-justierbare Taukappe
- für mobile Einsätze absolut geeignet (Gewicht 8-11kg mit Zubehör)
Schwächen:
- Fokussierer nicht absolute Spitzenklasse
- Randleistung bei Vollformat nicht ganz auf absolutem High-End-Niveau (TEC, Astro-Physics oder Takahashi)
Unterm Strich ist das ein Astrograf, der in der Praxis überzeugt – vor allem für Amateure, die ein stabiles, relativ unkompliziertes Setup suchen und nicht jede Nacht am Backfokus schrauben wollen. Kamera dran und loslegen mit qualitativ sehr guten Ergebnissen!
