Vergleich Wide-Field Teleskope für die Astrofotografie
Hier ist ein umfangreicher Testbericht über beliebte Wide-Field-Teleskope für die Astrofotografie mit Fokus auf Mechanik, Optik, Vor- und Nachteile und Praxis-Tipps.
Verglichen werden:
✅ Askar SQA55
✅ Askar FMA180 Pro
✅ William Optics MiniCat 51 WIFD
✅ William Optics RedCat 51 WIFD (steht hier als „51 WIFD“-Representative, da baugleich)
✅ SVBONY SV555
— allesamt kompakte APO-Refraktoren bzw. Astrographen mit Brennweiten im Bereich von ca. 180–264 mm für große Himmelsfelder.
1. Askar SQA55 – Universell, extrem gut korrigiert
Mechanik & Aufbau
Der SQA55 ist ein quintuplet-Petzval-Astrograph mit sehr kurzer Bauform (~244–316 mm Länge). Er besitzt ein manuelles Fokussier-System im Stil eines Kameraobjektivs mit grober und feiner Fokussierung und eine integrierte Bildfeldkorrektur.
Mechanisch ist der Tubus solide gearbeitet, mit Dovetail-Schiene, Tragegriff und Dew-Shield, und lässt sich gut transportieren.
Optik
Optisch überzeugt der SQA55 durch sein quintuplet-Design, das ein großes, 44 mm-Bildfeld mit flachem Feld liefert und so vollformat-tauglich ist. F/4.8 ist schnell, sodass tiefe Nebel und weitläufige Strukturen gut erreichbar sind.
Vorteile
- Sehr gute Farbkorrektur & edge-to-edge-Sternabbildung.
- Kompakt, leicht und transportabel.
- Große Bildfeldabdeckung für Vollformat-Kameras.
Nachteile
- Manuelles Fokussieren ist bei kurzen Brennweiten unangenehm; ohne EAF/Autofokus mühsam im Feld.
- Mögliche Balanceproblemen mit schwerer Kamera + Filterrad.
- Qualitätskontrolle scheint nicht immer gleichmäßig (leichte interne Flex).
Praxis-Tipps
👉 Backfocus kann variieren, Backfokus einstellen.
👉 Eigenes EAF nachrüsten erleichtert Fokusarbeit erheblich.
👉 Für lange Sessions mit Filterrad unbedingt auf gute Montagebalance achten
Astropraxis
Der Askar SQA55 liefert eine sehr überzeugende Abbildungsleistung über das gesamte Vollformat. Auch in den Bildecken bleiben die Sterne sauber und gut geformt; sichtbare Koma, ausgeprägte Aberrationen oder andere relevante optische Probleme sind praktisch nicht erkennbar.

An sehr hellen Sternen können Spikes auftreten, die teilweise von feinen Interferenzmustern begleitet werden. Als mögliche Ursachen kommen unter anderem eine verspannte Optik, Beugungseffekte an der Blende sowie interne Reflexionen im Strahlengang in Betracht.

Askar SQA55 und ZWO ASI2600MM/MC Pro
Der Askar SQA55 passt sehr gut zur ZWO ASI2600MM/MC Pro. Das Setup gilt in der Praxis sogar als eine der häufig empfohlenen Kombinationen für Widefield-Deep-Sky.
Sampling / Pixelmaßstab
Technische Daten:
- Brennweite: 264 mm
- Pixelgröße ASI2600: 3,76 µm
Pixelmaßstab:≈ 2.9″/Pixel
Einschätzung:
- sehr gut für Widefield-Objekte (z.B. Nordamerikanebel, Cygnus usw.)
- robust gegen Seeing
- relativ tolerant beim Guiding
Gesichtsfeld
Mit dem APS-C Sensor der ZWO ASI2600MM/MC Pro ergibt sich ungefähr:
≈ 4.9° × 3.3°
Das ist ein extrem großes Feld.
Askar SQA55 und ZWO ASI533MM/MC Pro
Sampling / Pixelmaßstab
Im Vergleich zur ZWO ASI2600MM/MC Pro ändert sich nichts, da beide Sensoren 3,76 µm Pixel besitzen, bleibt somit auch der Maßstab identisch.
Bei 264 mm Brennweite:
≈ 2,9″ / Pixel
➡️ Das bedeutet:
- gleiche Auflösung
- gleiches Seeing-Sampling
- identische Sternabbildung
Optisch verhält sich das Setup also praktisch gleich zur ZWO ASI2600MM/MC Pro.
Gesichtsfeld
Hier liegt der größte Unterschied.
ASI2600MM (APS-C)
Sensor: 23.5 × 15.7 mm
Feld am SQA55:
- ≈ 4.9° × 3.3°
ASI533MM (quadratisch)
Sensor: 11.3 × 11.3 mm
Feld:
- ≈ 2.4° × 2.4°
➡️ Das Bildfeld ist also nur etwa halb so groß.
Die Bildqualität der Sterne bleibt praktisch identisch, weil Pixelgröße und Sampling gleich sind.
Somit wäre die ZWO ASI533MM/MC Pro auch eine absolut empfehlenswerte Kamera für den Askar SQA55.
2. Askar FMA180 Pro – Sehr leicht und extrem portable
Mechanik & Aufbau
Der FMA180 Pro ist ein ultrakompakter 40 mm Astrograph mit interner Fokussierung und integriertem 360°-Rotator für Kameraausrichtung.
Mit nur rund 0,8 kg Tubusgewicht ist er ideal für portable Montierungen oder Star-Tracker.
Optik
Die Optik basiert auf einem sextuplet/aggressiv korrigierten APO-Triplet (5 Linsen mit integriertem Flattener) und deckt ein 44 mm-Bildfeld ab, ebenfalls für Vollformat-Sensoren geeignet.
Mit 180 mm Brennweite und f/4,5 ist der FMA180 besonders lichtstark und erzeugt breite Himmelsfelder.
Vorteile
- Sehr leicht und kompakt – mit einem kleinen Star-Tracker problemlos nutzbar.
- Horizontbreite Felder (z. B. Milchstraße, Nebel im Schweif) problemlos machbar.
- 360°-Rotator macht Bildkomposition sehr einfach.
Nachteile
- Sehr kleines Objektiv führt zu relativ geringer Auflösung pro Pixel (für große Sensoren ggf. zu „untersamples“).
- Feinjustierung des Fokus etwas grob ohne EAF.
- Qualitätskontrolle scheint nicht immer gleichmäßig.
Praxis-Tipps
👉 Perfekt als „Grab-&-Go“-Scope auf Star-Trackern wie AZ-EQ5 oder GTi.
👉 Ideal für APS-C und kleinere Sensoren, weniger optimal für sehr große Vollformat-Sensoren.

Die Ecken sehen „schlimmer“ aus, als sie sich wirklich auswirken im späteren Foto. Im APS-C hat der FMA180pro insgesamt eine gute Abbildung. Die leicht komaartigen Sterne können mit modernen Bildbearbeitungstool wie BlurXTerminator leicht behoben werden.


Askar FMA180pro und ZWO ASI2600MM/MC Pro
Pixelmaßstab / Sampling
Formel:
- ASI2600MM Pixel: 3,76 µm
- FMA180 Brennweite: 180 mm
➡️ Deutlich größerer Pixel pro Stern, also under-sampled.
- Bei normalem Seeing (2–3″) ist jeder Stern oft nur 0,5–1 Pixel groß
- Detailverlust bei kleinen Strukturen
- Stars wirken „blockiger“ ohne Drizzle
3. William Optics MiniCat 51 WIFD – Schneller APO für extrem weite Felder
Mechanik & Aufbau
Beim MiniCat kommt das WO-WIFD (William Optics Internal Focus Design)-Fokussiersystem zum Einsatz – der Fokus wird intern ohne Tubusauszug bewegt, was mechanisch sehr stabil ist und Vibrationen reduziert.
Der Tubus bleibt kompakt, der Brennweitenunterschied (nur 178 mm) macht ihn besonders lichtstark (ca. f/3.5) im Vergleich zum klassischen RedCat 51.
Optik
Das 6-element-Petzval-Design mit zwei Super-ED-Glaselementen liefert ein flaches, kontraststarkes Feld.
F/3.5 ermöglicht sehr kurze Belichtungszeiten für große Nebel oder Milchstraße, was sowohl als Vorteil, aber auch als Nachteil gesehen werden kann, wenn man z.B. aus Bortle 5 oder höher, herausfotografiert.
Vorteile
- Extrem lichtstark und sehr breite Felder bei kurzer Belichtungszeit.
- Interner Fokus ist mechanisch super stabil.
Nachteile
- Bei sehr kleinen Pixeln oder großen Sensoren kann es zu kritischem Fokusverhalten kommen.
- Optik ist anspruchsvoll und teurer als einfache Triplet-Scopes.
- Schwankungen in der Qualität der Optik.
Praxis-Tipps
👉 Genaues Fokussieren (z. B. Bahtinov-Maske) nutzen, weil der Fokusbereich sehr eng ist.
👉 Perfekt für APS-C und (ggf. abhängig vom jeweiligen Exempler) Vollformat-Sensoren und Fotomontierungen mit aktiver Nachführung.
Astropraxis
Mit einer Brennweite von 178 mm liegt der William Optics MiniCat 51 WIFD in einem ähnlichen Bereich wie der Askar FMA180 Pro. Auffällig ist jedoch das deutlich schnellere Öffnungsverhältnis von f/3.5 gegenüber f/4.5 beim FMA180 Pro.
Auf den ersten Blick mag der Unterschied gering erscheinen, in der Praxis bedeutet er jedoch, dass der MiniCat 51 WIFD rund 63 % mehr Licht auf den Sensor bringt. Zudem verfügt der MiniCat über eine größere Öffnung von 51 mm im Vergleich zu den 40 mm des FMA180 Pro, was die Lichtsammlung zusätzlich erhöht und besonders bei schwachen Deep‑Sky‑Objekten Vorteile bringt.


4. William Optics RedCat 51 WIFD – Allround-Widefield-Klassiker
(Die Spezifikation gilt gleichermaßen für die „51 WIFD“-Serienversion, baugleich mit der klassischen 51 mm WIFD)
Mechanik & Aufbau
Der RedCat 51 WIFD hat wie der MiniCat das WIFD-Fokussiersystem und bietet Arca/Vixen-kompatible Dovetail-Montage + Bahtinov-Maske im Lieferumfang.
Innenfokus und 360°-Drehsystem erleichtern die Arbeitsabläufe erheblich.
Optik
Mit 4-Element-Petzval und FPL-53-Glas liefert er ein großes Bildfeld (~48 mm) mit exzellenter Korrektur selbst bis zum Bildrand (laut Hertellerangaben).
Vorteile
- Verlässliche Allround-Optik für Einsteiger und Fortgeschrittene.
- Gute Farbreinheit und runde Sterne über das gesamte Feld.
Nachteile
- Brennweite ~250 mm ist nur etwas länger als extrem weite Felder, daher braucht es auch hier eine exakte Fokussierung, da der Fokusbereich extrem schmal ist.
- Gewicht (~2,4 kg) ist höher als bei den kleineren Scopes.
Praxis-Tipps
👉 Die Bahtinov-Maske konsequent nutzen, um schnell und exakt zu fokussieren.
5. SVBONY SV555 – Preis-/Leistung & Allround-Option
Mechanik & Aufbau
Der SV555 ist ein quintuplet-APO-Astrograph mit variablem Blendenbereich und Helix-Fokussierung.
Er liefert ein rundes, korrektes Bildfeld ohne externen Flattener – auch das macht ihn fototauglich.
Optik
Von den technischen Daten steht er dem SQA55 sehr nahe (ähnliche Brennweite ~243 mm, f/4.5).
Durch das integrierte Feldkorrektur-Design sind Sterne bis zum Rand rund.
Vorteile
- Sehr gutes Preis-/Leistungs-Verhältnis, Komplett-Set inklusive Halterung.
- Großes korrektes Feld ohne zusätzliche Zubehörteile.
Nachteile
- Helical-Fokus, wie beim SQA55, ist nicht so präzise wie ein dual-speed Rack-&-Pinion.
- Mittlere mechanische Verarbeitung (je nach Serie).
Praxis-Tipps
👉 Fokus mit Bahtinov-Maske/Autofokus notwendig.
👉 Bei APS-C-Sensoren ist der kleine Bildkreis ideal, beim Vollformat ggf. Abdunklung am Rand beachten.
Übersicht der technischen Daten
| Teleskop | Öffnung | Brennweite | Öffnungs-verhältnis | Bildkreis / Sensor | Fokussierer |
|---|---|---|---|---|---|
| Askar SQA55 | 55 mm | 264 mm | f/4.8 | ~44 mm | Manueller Fokus |
| Askar FMA180 Pro | 40 mm | 180 mm | f/4.5 | ~44 mm | Interner Fokus, 360°-Rotator, M48-Anschluss |
| William Optics MiniCat 51 WIFD | 51 mm | 178 mm | f/3.5 | ~43.2 mm | WIFD intern, R&P-Fokussierer |
| William Optics RedCat 51 WIFD | 51 mm | 250 mm | f/4.9 | ~48 mm | WIFD intern, Kamerarotator |
| SVBONY SV555 | 54 mm | 243 mm | f/4.5 | ~44 mm | Helical-Fokussierung, 360°-Rotator |
Erfahrungen aus der Astropraxis
Aus der praktischen Erfahrung heraus ist die Serienstreuung bei Teleskopen ein nicht zu unterschätzender Faktor. Sie kann im Einzelfall erheblich ausfallen und dazu führen, dass ein konkretes Exemplar die Erwartungen nicht erfüllt oder für anspruchsvolle Astrofotografie nur eingeschränkt nutzbar ist.
Herstellerangaben basieren in der Regel auf theoretischen Berechnungen im Rahmen des optischen Designs. Diese idealisierten Werte lassen sich in der Praxis jedoch nicht immer vollständig reproduzieren. Fertigungstoleranzen, Justage und Qualitätskontrolle spielen eine entscheidende Rolle dafür, wie gut ein System tatsächlich performt.
Einen sauber korrigierten Bildkreis von 44 mm – entsprechend dem Vollformat – bei Brennweiten unter 200 mm zu realisieren, stellt eine erhebliche optische Herausforderung dar. Doch selbst im APS-C-Bereich ist eine durchgehend homogene Korrektur über das gesamte Feld anspruchsvoll. In der Praxis zeigt sich, dass nicht jeder Hersteller konstant gleichbleibende Qualität liefert. Dadurch bleibt bei manchen Modellen ein gewisses Maß an Unsicherheit hinsichtlich der tatsächlichen Abbildungsleistung des individuellen Geräts.
Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich, bei einem Händler zu kaufen, der ein verlässliches Rückgaberecht einräumt. So kann das Teleskop unter realen Bedingungen getestet werden. Bereits eine kurze Testaufnahme von etwa 30 Sekunden mit einer Farbkamera genügt in vielen Fällen, um Vignettierung, Randunschärfen oder Aberrationen sichtbar zu machen und sich einen ersten fundierten Eindruck zu verschaffen.
In meiner eigenen Praxis haben sich insbesondere Teleskope von Askar oder auch Skywatcher bewährt. Bislang musste ich dort keine gravierenden Ausreißer in der Qualität feststellen. Besonders die vergleichsweise neue Askar SQA Serie zeigt sich als zuverlässig korrigiert und ist – nach meiner Erfahrung – auch für den Einsatz mit Vollformatsensoren gut geeignet. Die Ergebnisse sind konsistent und liefern eine solide Grundlage für anspruchsvolle Astrofotografie. Auch die bekannte ESPRIT-Serie von Sky-Watcher überzeugt durch durchweg positive Rückmeldungen aus der Community. Insbesondere die Modelle Sky-Watcher ESPRIT 100 und Sky-Watcher ESPRIT 120 sind in der Amateurastronomie weit verbreitet.
