Testbericht: Askar SQA60 Pro – kompakter Petzval-Astrograph für anspruchsvolle Weitfeld-Astrofotografie
Einleitung
Mit dem Askar SQA60 Pro erweitert Askar seine SQA-Serie um einen besonders kompakten Astrographen für die moderne Deep-Sky-Fotografie. Der sechslinsige Petzval-Refraktor richtet sich klar an Astrofotografen, die eine möglichst einfache Handhabung ohne zusätzlichen Flattener suchen und gleichzeitig einen Vollformatsensor ausleuchten möchten.
Die Kombination aus 60 mm Öffnung, 276 mm Brennweite und einem Öffnungsverhältnis von f/4,6 macht den SQA60 Pro zu einem klassischen Weitfeldinstrument für Nebelregionen, große Sternfelder und ausgedehnte Galaxiengruppen.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Optisches Design | Sextuplet Petzval APO |
| SD-Glaselemente | 2 |
| Öffnung | 60 mm |
| Brennweite | 276 mm |
| Öffnungsverhältnis | f/4,6 |
| Bildkreis | 44 mm (Vollformat) |
| Gesamtlänge | 283 mm |
| OTA-Gewicht | 2,79 kg |
| Gesamtgewicht | 3,54 kg |
| Fokussierer | 2,8″ Rack-and-Pinion |
| Fokusweg | 25 mm |
| Kameragewinde | M48 × 0,75 |
| Backfokus | 41–66 mm |
| Empfohlener Kameraabstand (Sensor) | 55 mm |
Mechanik und Verarbeitung
Die mechanische Ausführung hinterlässt einen (gewohnt von Askar) hochwertigen Eindruck.
Positiv fallen auf:
- massiver 2,8″-Auszug,
- feinfühlige Untersetzung,
- integrierter Rotator,
- M48-Anschluß,
- mehrere Sucherschuhe,
- stabile Rohrschellen.




Mit 2,79 kg OTA-Gewicht bleibt das System transportabel und eignet sich hervorragend für Montierungen wie:
- SkyWatcher HEQ5,
- ZWO AM3 / AM3N,
- ZWO AM5 / AM5N,
- iOptron HEM27,
- RainbowAstro RST-135.
Optische Konstruktion
Das SQA60 Pro setzt auf eine Sextuplet-Petzval-Konstruktion.

Der große Vorteil gegenüber klassischen Doublet- oder Triplet-Refraktoren:
- kein separater Flattener notwendig,
- keine kritische Abstandssuche,
- werkseitig korrigiertes Bildfeld.
Gerade bei mobilen Setups reduziert dies Fehlerquellen erheblich.
Spotdiagramm – die optische Leistungsfähigkeit
Das Spotdiagramm des Askar SQA60 Pro zeigt eine beeindruckend gleichmäßige Abbildungsleistung.
Zentrum (0 mm)
RMS-Radius:
0,912 µm
Vollformat-Rand (22 mm)
RMS-Radius:
2,073 µm
Die Sternabbildungen bleiben über das gesamte Feld sehr kompakt.
Bewertung:
⭐⭐⭐⭐⭐ (5/5)
Die Diagramme zeigen:
- praktisch keine Feldkrümmung,
- sehr geringe sphärische Fehler,
- exzellente Farbkorrektur,
- hervorragende Eignung für Vollformatsensoren.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Spotgrößen selbst im äußersten Bildfeld noch deutlich kleiner als die Pixel moderner Astrokameras (ZWO ASI2600 ~ 3,76µm) bleiben.
Für einen Astrographen dieser Preisklasse ist dies außergewöhnlich gut.
Das Test-Setup
Montierung: ZWO AM5N
Steuerung: ZWO ASIAIR 256GB
Kamera: ZWO ASI2600MM Pro mit ZWO EFW und ZWO EAF
Leitrohr: Primalucelab Leitrohr

PixInsight FWHMEccentricity-Analyse


| Messwert | Wert |
|---|---|
| Median FWHM | 1,883 px |
| Median Eccentricity | 0,454 |
| MAD FWHM | 0,231 px |
| MAD Eccentricity | 0,105 |
| Star Support | 767 Sterne |
Bewertung des FWHM
Ein Median-FWHM von:
1,88 Pixel
ist ausgezeichnet.
Dies spricht für:
- präzisen Fokus, sehr gute Schärfe
- gute Nachführung,
- sehr gute optische Qualität,
- geringe atmosphärische Unruhe während der Aufnahme (10 Sekunden Aufnahme).
Für ein System mit 276 mm Brennweite liegen Werte unter 2 Pixel bereits im Bereich sehr guter RAW-Bilder.
Bewertung der Exzentrizität
Gemessen wurde:
0,454
Zur Einordnung:
| Eccentricity | Bewertung |
|---|---|
| <0,40 | exzellent |
| 0,40–0,50 | sehr gut |
| 0,50–0,60 | gut |
| >0,60 | verbesserungswürdig |
Die vorliegenden Daten zeigen somit:
sehr runde Sterne.
Die Sterne weisen lediglich minimale Abweichungen von der Idealform auf.
Gesamtbewertung der PixInsight-Messung
Die Kombination aus:
- FWHM 1,88 px,
- Eccentricity 0,45,
- geringer Streuung,
deutet auf ein optisch sehr gut justiertes System mit sauberer Nachführung hin.
Die Analyse bestätigt damit die sehr positiven Erwartungen, die sich bereits aus den Spotdiagrammen ergeben.
Test-Aufnahmen der Ecken und Ränder folgen noch.
Verkippung (Tilt)

Der 2,8″-Okularauszug des Askar SQA60 Pro hinterlässt einen äußerst soliden und hochwertigen Eindruck. Durch den kurzen Fokussierweg von lediglich 25 mm wird der Auszug nur minimal aus dem Tubus herausgefahren. Dadurch bleibt die Konstruktion besonders verwindungssteif, sodass eine nennenswerte Verkippung des Kamerazugs selbst bei anspruchsvollen Anwendungen als sehr unwahrscheinlich einzustufen ist.

Zusammenspiel mit der ZWO ASI2600MM Pro
Wie passt die ZWO ASI2600 mit einem Sony IMX571 Sensor zum Askar SQA60 Pro?
Die ZWO ASI2600MM Pro besitzt:
- Pixelgröße: 3,76 µm,
- Sensorgröße: APS-C (23,5 mm × 15,7 mm)
Die Pixelauflösung ergibt sich zu:206×2763,76
≈
2,81 Bogensekunden/Pixel
Bewertung der Pixel-Skala
| Pixel-Scale | Bewertung |
|---|---|
| <1″/px | Oversampling |
| 1–2″/px | sehr fein |
| 2–3″/px | optimal für viele europäische Standorte |
| >4″/px | deutliches Undersampling |
Mit:
2,8″/Pixel
liegt die Kombination genau im Bereich dessen, was für die meisten europäischen Seeing-Bedingungen (~2-3″) sinnvoll ist.
Bildfeld
Das Bildfeld des Askar SQA60 Pro in Kombination mit einem IMX571 Sensor liegt bei:
4,9° × 3,3°
was hervorragend für ausgedehnte Nebelregionen und großflächige Milchstraßenfelder geeignet ist wie z.B. NGC7000 (Nordamerika) o.ä. Objekte.
Praktische Auswirkungen
Die Kombination bietet:
✓ hohe Lichtausbeute,
✓ tolerante Nachführung,
✓ kurze Belichtungszeiten,
✓ große Bildfelder,
✓ hervorragende Nebelperformance.
Besonders geeignet sind:
- Nordamerika-Nebel,
- Herz- und Seelennebel,
- Rosettennebel,
- Kaliforniennebel,
- Orion-Komplex,
- Andromedagalaxie,
- Rho-Ophiuchi-Region.
Praxiseindruck
Das Konzept des SQA60 Pro überzeugt.
Askar kombiniert:
- kompaktes Format,
- schnelle Optik,
- integrierte Feldkorrektur,
- Vollformattauglichkeit,
in einem erstaunlich transportablen Paket.
Gerade Fotografen, die bewusst auf komplizierte Flattener-Abstände verzichten möchten, profitieren mit dem Askar SQA60 Pro enorm.
Testaufnahme
Objekt: M3
Aufnahmedaten: 10x 60s pro RGB-Kanal


Vorteile
✓ hervorragende Spotdiagramme bis Vollformat
✓ Petzval-System ohne zusätzlichen Flattener
✓ schnelle f/4,6-Optik
✓ exzellente Sternabbildung
✓ hochwertige Mechanik
✓ großes korrigiertes Bildfeld
✓ sehr gute Kombination mit der ASI2600MM Pro
Nachteile
✗ vergleichsweise hoher Preis für einen 60-mm-Refraktor (rein fotografisches System)
✗ kein modulares Reducer-/Extender-System (Vor- und Nachteil)
✗ ausschließlich auf Astrofotografie ausgelegt
Vergleich Askar SQA55 vs Askar SQA60 Pro
Wenn man rein die Optik und insbesondere die Spotdiagramme miteinander vergleicht, lassen sich tatsächlich einige Vorteile des Askar SQA60 Pro gegenüber dem SQA55 herausarbeiten.
1. Deutlich kleinere Spots am Vollformatrand
Beim SQA55 gibt Askar an:
- Zentrum: RMS < 2,5 µm
- Ecke: RMS < 4 µm
Beim SQA60 Pro zeigt das Spotdiagramm:
- Zentrum: 0,912 µm
- Vollformatrand (22 mm): 2,073 µm
Bewertung:
Der SQA60 Pro bildet die Sterne bis zum äußersten Vollformatrand etwa doppelt so fein ab.
Gerade bei hochauflösenden Kameras mit kleinen Pixeln führt das zu:
- kleineren Sternen,
- besserer Detailwiedergabe,
- höherem Mikrokontrast.
Vorteil SQA60 Pro: ⭐⭐⭐⭐⭐
2. Gleichmäßigere Feldkorrektur
Beim SQA55 steigt die Spotgröße vom Zentrum bis zum Rand um mindestens den Faktor:
Beim SQA60 Pro ergibt sich:
Allerdings bleibt der absolute Fehler beim SQA60 deutlich kleiner.
Das Entscheidende:
Die Spotdiagramme des SQA60 zeigen praktisch keine Aufweitung oder Asymmetrie.
Die Sternabbildungen wirken bis in die Ecken sehr ähnlich.
Das spricht für:
- bessere Kontrolle von Astigmatismus,
- geringere Koma,
- bessere Beherrschung der Feldkrümmung.
Gerade Vollformatnutzer profitieren hiervon.
3. Höhere theoretische Auflösung
Der SQA60 besitzt:
- 60 mm Öffnung
gegenüber
- 55 mm Öffnung
beim SQA55.
Die Dawes-Grenze beträgt:
SQA55:
SQA60 Pro:
Das entspricht rund 9 % höherem theoretischen Auflösungsvermögen.
In der Praxis limitiert zwar meist das Seeing, aber:
- bei sehr gutem Himmel,
- bei Mondaufnahmen,
- bei kleinen planetarischen Nebeln,
kann sich dies durchaus bemerkbar machen.
Zusammenfassung
Die Unterschiede sind nicht riesig, aber optisch ist der SQA60 Pro eindeutig das ambitioniertere Instrument.
Die drei größten Vorteile sind:
- Kleinere Sternabbildungen bis zum Vollformatrand (ca. Faktor 2 bessere Spotdiagramme).
- Noch sauberere Feldkorrektur, insbesondere für hochauflösende Vollformatsensoren.
- Mehr Öffnung und etwas höhere Auflösung, kombiniert mit einer leicht schnelleren Optik (f/4,6 statt f/4,8).
Wenn man ausschließlich APS-C-Sensoren wie die ASI2600MM Pro verwendet, wird der Unterschied zum SQA55 vermutlich eher subtil sein.
Wer jedoch Vollformatkameras nutzt oder einfach das Maximum an Sternqualität aus einem kompakten Weitfeld-Astrographen herausholen möchte, dürfte den SQA60 Pro als die optisch stärkere Lösung ansehen.
Problematik der Beugungsspitzen beim Askar SQA55
Beim Askar SQA55 zeigten sich bei hellen Sternen teilweise ausgeprägte Beugungsspitzen, die mitunter von deutlich sichtbaren Interferenzmustern begleitet wurden. Beim Askar SQA60 Pro konnten diese Effekte hingegen nicht beobachtet werden, wie die Testaufnahmen des Sterns Arktur eindrucksvoll belegen.


Fazit
Der Askar SQA60 Pro gehört zu den interessantesten Neuerscheinungen 2026 im Bereich der kompakten Astrographen.
Die Kombination aus:
- exzellenter Petzval-Korrektur,
- überzeugenden Spotdiagrammen,
- sehr guten PixInsight-Messwerten,
- einfacher Handhabung (einfache EAF Montage, Sucherschuhe, keine Flattener-Abstands-Suche)
macht ihn zu einem äußerst leistungsfähigen Instrument für die moderne Weitfeld-Astrofotografie.
Besonders in Verbindung mit einer ZWO ASI2600MM Pro ergibt sich ein hervorragend abgestimmtes System, das unter mitteleuropäischen Seeing-Bedingungen nahezu ideal gesampelt ist.
Gesamtwertung: 9,5 von 10 Punkten
Der Askar SQA60 Pro ist kein Einsteiger-Refraktor – sondern ein hoch spezialisierter Astrograph für Fotografen, die maximale Bildqualität bei minimalem Einrichtungsaufwand suchen.
