ZWO EFW mit Antlia LRGB- und SHO-3-nm-Filtern bestücken – Schritt für Schritt zum einsatzbereiten Filterrad

Ein elektronisches Filterrad gehört heute zu den wichtigsten Komponenten einer monochromen Astrofotografie-Ausrüstung. Erst durch den automatischen Filterwechsel wird effizientes Arbeiten mit LRGB- und Schmalbandfiltern möglich. In diesem Artikel zeige ich den Einbau eines ZWO Electronic Filter Wheel (EFW) für 1,25″-Filter, bestückt mit einem kompletten Satz Antlia LRGB- sowie Antlia SHO-3-nm-Filtern.

Der Einbau ist grundsätzlich unkompliziert, dennoch gibt es einige Punkte, die beachtet werden sollten, um Beschädigungen der hochwertigen Filter oder spätere Probleme bei der Bildaufnahme zu vermeiden.

Benötigtes Material

Für den Einbau werden benötigt:

  • ZWO Electronic Filter Wheel für 1,25″-Filter (z.B. ZWO EFW 8×1.25)
  • Antlia LRGB Filtersatz (4 Filter)
  • Antlia Schmalband-Filter (3 Filter)
  • passender Kreuzschraubendreher (liegt dem ZWO Filterrad bei)
  • fusselfreie Handschuhe oder Fingerlinge
  • Blasebalg
  • Mikrofasertuch für den Arbeitsplatz
  • optional Druckluft für Optiken (kein Baumarkt-Spray)

Ein möglichst staubfreier Arbeitsplatz erleichtert die Montage erheblich.

Vorbereitung

Vor dem Öffnen des Filterrades sollte der Arbeitsplatz gründlich gereinigt werden. Bereits kleinste Staubpartikel können später auf Flatframes sichtbar werden.

Es empfiehlt sich, Baumwollhandschuhe oder Nitril-Fingerlinge zu tragen. Die Filter besitzen hochwertige Mehrfachvergütungen, die äußerst empfindlich auf Fingerabdrücke reagieren.

Die Filter sollten erst unmittelbar vor dem Einbau aus ihren Schutzdosen entnommen werden.

Das Filterrad öffnen

Zunächst werden die Schrauben auf der Vorderseite des ZWO EFW entfernt. Anschließend kann die Abdeckung vorsichtig abgehoben werden.

Im Inneren befindet sich das Filterkarussell mit den einzelnen Gewinden für die 1,25″-Filter.

Nun bietet sich die Gelegenheit, das Innere des Filterrades mit einem Blasebalg von eventuell vorhandenen Staubpartikeln zu befreien.

Die richtige Reihenfolge der Filter

Die Reihenfolge der Filter ist technisch nahezu beliebig, sollte jedoch sinnvoll gewählt werden, damit die Zuordnung später in der Aufnahmesoftware übersichtlich bleibt.

Eine häufig verwendete Belegung lautet:

LRGBSHO

PositionFilter
1Luminanz (L)
2Rot (R)
3Grün (G)
4Blau (B)
5SII 3 nm
6Hα 3 nm
7OIII 3 nm

Natürlich kann die Reihenfolge den eigenen Vorlieben angepasst werden. Wichtig ist lediglich, dass dieselbe Reihenfolge anschließend in der Steuerungssoftware (z. B. NINA, ASIAIR oder Sequence Generator Pro) hinterlegt wird.

Die Antlia-Filter richtig einsetzen

Die Antlia-Filter besitzen eine markierte Seite. Je nach Produktionsserie befindet sich auf einer Seite die Beschriftung beziehungsweise das Herstellerlogo.

Als Faustregel gilt:

Die beschriftete Seite zeigt in Richtung Teleskop (Lichteinfall).

Dadurch werden mögliche interne Reflexionen minimiert und die Filter arbeiten so, wie sie vom Hersteller vorgesehen sind.

Vor dem Einschrauben empfiehlt es sich, das Gewinde kurz anzusetzen und darauf zu achten, dass der Filter nicht verkantet.

Der Filter sollte lediglich handfest angezogen werden. Ein zu festes Anziehen erschwert später den Ausbau erheblich.

ZWO EFW 8×1.25 Filterrad mit den montierten LRGB und SHO Filtern

Vorsicht vor Staub

Nach jedem eingesetzten Filter empfiehlt sich ein kurzer Blick unter eine helle Lampe.

Staubkörner lassen sich jetzt noch problemlos mit einem Blasebalg entfernen.

Sollte sich dennoch ein Fingerabdruck auf der Glasfläche befinden, sollte dieser nicht trocken weggewischt werden. Für die Reinigung hochwertiger astronomischer Filter sind spezielle Optikreiniger sowie fusselfreie Reinigungstücher die bessere Wahl.

Filterrad wieder verschließen

Sind alle sieben Filter montiert, wird die Frontplatte wieder aufgesetzt.

Beim Anziehen der Schrauben empfiehlt sich ein kreuzweises Vorgehen. Dadurch wird verhindert, dass die Abdeckung verspannt.

Die Schrauben müssen lediglich leicht angezogen werden. Übermäßige Kraft ist nicht erforderlich.

Das fertig verbaute Filterrad an einer ZWO ASI585MM Pro Kamera

Funktionstest

Vor der ersten Beobachtungsnacht sollte das Filterrad einmal am Computer getestet werden.

Dabei sollte überprüft werden:

  • Werden alle Filterpositionen korrekt angefahren?
  • Stimmen die Positionen mit der Software überein?
  • Schleift kein Filter an der Gehäuseabdeckung?
  • Läuft das Filterrad ruhig und ohne ungewöhnliche Geräusche?

Insbesondere bei 1,25″-Filtern empfiehlt sich zusätzlich eine Sichtprüfung, ob alle Filter vollständig eingeschraubt wurden.

Konfiguration in der Aufnahmesoftware

Nach erfolgreicher Montage wird das Filterrad in der verwendeten Software (z.B. NINA) eingerichtet.

Für jede Position werden Filtername und gegebenenfalls Offsets hinterlegt.

Beispielsweise:

  • Position 1 – L
  • Position 2 – R
  • Position 3 – G
  • Position 4 – B
  • Position 5 – SII
  • Position 6 – Hα
  • Position 7 – OIII

Wer einen Autofokus verwendet, kann zusätzlich für jeden Filter individuelle Fokus-Offsets bestimmen. Da die Antlia-Filter parfokal ausgelegt sind, fallen diese in vielen Setups allerdings sehr gering aus oder entfallen ganz. Eine Überprüfung am eigenen System ist dennoch empfehlenswert.

Erste Testaufnahmen

Nach der Montage lohnt sich eine kurze Testserie an einem hellen Sternfeld.

Dabei kann kontrolliert werden:

  • korrekter Filterwechsel
  • Fokuslage
  • eventuelle Vignettierung
  • Reflexionen
  • Staubartefakte

Wer jetzt noch Staub entdeckt, kann diesen meist problemlos durch neue Flatframes korrigieren oder den betroffenen Filter noch einmal reinigen.

Fazit

Das Bestücken eines ZWO EFW mit Antlia LRGB- und Antlia SHO-3-nm-Filtern ist in wenigen Minuten erledigt und stellt auch für Einsteiger keine große Herausforderung dar. Sorgfältiges Arbeiten zahlt sich jedoch aus, denn Staub oder Fingerabdrücke auf den Filtern kosten später deutlich mehr Zeit als eine gewissenhafte Montage.

Mit einem sauber montierten Filterrad steht einer vollautomatischen Aufnahmesession mit LRGB- und Schmalbandfiltern nichts mehr im Weg. Gerade die Kombination aus den farbneutralen Antlia-LRGB-Filtern und den äußerst kontrastreichen 3-nm-Schmalbandfiltern bietet hervorragende Voraussetzungen für detailreiche Deep-Sky-Aufnahmen – selbst unter lichtverschmutztem Himmel.

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