Testbericht: Askar SQA130 f/4.8
Astrofotografie-Teleskop für Vollformat- und mittelformat-Sensoren
1. Kurzfazit
Pro:
- Sehr weites, gut korrigiertes Bildfeld bis ca. 55 mm Sensorformat
- Quintuplet-Petzval-Optik mit hoher Schärfe
- Robuster, hochwertiger 3,2″-Okularauszug mit 360°-Rotator
Contra:
- Hoher Preis im Vergleich zu kleineren APO-Refraktoren
- Hohes Gewicht (≈ 11,8 kg inkl. Ringe)
- Anspruchsvoll in Setup & Guiding für lange Belichtungen
Geeignet für:
Astrofotografen, die mit großen Sensoren (Vollformat bis Mittelformat) arbeiten und ein schnelles, weites Gesichtsfeld für Deep-Sky-Objekte suchen.
2. Einordnung & Testbedingungen
- Testzeitraum: mehrere Nächte im Winter
- Himmel: moderater Vorstadt-Himmel, meist Seeing mittel (Bortle 5)
- Montierung: 10MICRON GM1000 HPS EP
- Kamera: Vollformat-Kamera SONY Alpha 7CII und ZWO ASI 2600MM Pro
- Fokussierer: ZWO EAF

3. Technische Daten (Kurz & Einordnung)
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Öffnung | 130 mm |
| Brennweite | 624 mm |
| Öffnungsverhältnis | f/4,8 |
| Optik | Quintuplet Petzval mit 2 SD-Gläsern |
| Bildkreis | bis ≈ 55 mm |
| Fokusertyp | 3,2″ Dual-Speed Rack-&-Pinion |
| Adapter | M48/M54/M68 |
| Gewicht OTA | ≈ 9,18 kg |
| Gesamtgewicht | ≈ 11,76 kg |
4. Verarbeitung & Mechanik
Der Tubus wirkt hochwertig CNC-gefräst und stabil, mit solider Anodisierung und gut verarbeiteten Oberflächen. Die Taukappe ist ausziehbar, und die Rohrschellen sowie Prismenschiene bieten genug Befestigungspunkte für Zubehör.
Eindruck:
Makellose Fertigung – mechanisch eher auf Profiniveau als auf Einsteiger-Budget-Niveau.
5. Fokussierung & Handling
Der 3,2″-Fokussierer bietet eine feine Untersetzung und einen leichtgängigen, präzisen Lauf. Dank dem integrierten 360°-Rotator mit Skala lassen sich Kamera-Ausrichtung und Bildfeld schnell einstellen.
Fokus-Shift durch Temperaturänderungen war in unseren Nächten gering.
Die Installation eines ZWO EAF funktionierte (Askar typisch) problemlos.
Spot-Diagramm
Das Spot-Diagramm des Askar SQA130 zeigt insgesamt eine sehr hohe Abbildungsqualität, besonders für einen Astrografen dieser Klasse.
🔍 Zentrale Bildqualität (IMA: 0 mm)
- Die Spots sind extrem kompakt und nahezu punktförmig.
- RMS-Radius ~ 1.99 µm → das ist ausgezeichnet.
- Deutlich kleiner als typische Pixelgrößen moderner Astrokameras → sehr scharfe Sterne im Zentrum.
🌌 Mittleres Bildfeld (IMA: 3–14 mm)
- Spots bleiben weiterhin sehr eng gebündelt.
- Kaum sichtbare Verzerrung oder Koma.
- RMS steigt nur minimal (~2.0–2.1 µm) → gleichmäßige Schärfe über das Feld.
🌠 Randbereich (IMA: 21–27.5 mm)
- Leichte Vergrößerung der Spots sichtbar, aber:
- RMS bleibt unter ~2.4 µm
- Form bleibt rund → keine ausgeprägten Aberrationen wie Astigmatismus oder Koma
- Für ein Bildfeld bis 55 mm: außergewöhnlich gut korrigiert
📊 Geometrischer Radius (GEO)
- Steigt zum Rand hin (bis ~5.57 µm), was normal ist.
- Dennoch moderat → keine dramatische Aufweitung der Sternabbildung
⭐ Gesamtfazit
- Exzellente optische Korrektur
- Sehr kleine Spotgrößen über das gesamte Bildfeld
- Praktisch vollformat-tauglich, evtl. sogar darüber hinaus (Medium Format grenzwertig möglich)
- Ideal für:
- Astrofotografie mit großen Sensoren
- hochauflösende Aufnahmen ohne zusätzliche Korrektoren
👉 Kurz gesagt:
Das Spot-Diagramm bestätigt, dass der Askar SQA130 ein Premium-Astrograf mit nahezu perfekter Sternabbildung ist.
6. Optische Leistung
6.1 Sternabbildung
Die Quintuplet-Optik liefert sehr punktförmige Sterne, bereits im Zentrum und auch ins Bildfeld hinein. Auch in den Ecken bleiben Sterne bei Vollformat-Sensoren rund und klein – ein Zeichen für sehr gute Korrektur.


6.2 Farbkorrektur
Chromatische Aberration ist im Praxisbetrieb kaum wahrnehmbar, selbst bei helleren Sternen. Auch Nebelstrukturen bleiben farbneutral und definiert.
6.3 Kontrast & Streulicht
Das matte Innen-Finish und die Taukappe reduzieren Streulicht (z.B. Straßenlaternen) sichtbar – der Hintergrund bleibt gleichmäßig.
7. Bildfeld & Sensor-Kompatibilität
Der SQA130 deckt problemlos Vollformat (≈ 44 mm) ab und skaliert bis etwa 55 mm Bildkreis, was für viele große CMOS-Sensoren optimal ist.
Vignettierung ist bei korrekten Flats gut beherrschbar.
8. Praxistest: Beispielaufnahmen
Objekte:
- Emissionsnebel M42
- Offene Sternhaufen (Fotos folgen noch!)
Aufnahmedaten:
- 30s Einzelframes
- Gesamtbelichtung: 300 Sekunden (10 Aufnahmen á 30s Belichtungszeit)

Ergebnis:
Sehr scharfe Sterne über das ganze Feld, gute Kontrastwerte und geringe Bildfehler – insbesondere für f/4,8-Optik beeindruckend.
Aufnahmedaten:
- 15s Einzelframes
- Gesamtbelichtung: 60 Minuten (80 Aufnahmen á 15s Belichtungszeit pro RGB-Kanal)


Pferdekopf mit HSS Farbpalette
Aufnahmedaten:
- Teleskop: Askar SQA130
- Montierung: 10MICRON GM1000 HPS EP
- Kamera: ZWO ASI2600MM Pro
- Filter: Antlia 3nm Ha und SII Filter
- Software: Pixinsight
- Belichtungszeit: 8 x 600s jeweils im Ha und SII Kanal


Im April steht das Sternbild Orion bereits deutlich tiefer am Himmel, was die Aufnahmebedingungen erschwert. Dennoch habe ich mich im Rahmen einer Testreihe mit Schmalbandfiltern bewusst dem Pferdekopfnebel gewidmet.
Die Datenbasis erwies sich dabei als herausfordernd: Zahlreiche Flugzeug- und Satellitenspuren durchziehen die Einzelaufnahmen. Aufgrund der begrenzten Anzahl von lediglich acht Frames pro Kanal habe ich auf ein konsequentes Herausfiltern dieser Artefakte verzichtet, um nicht zusätzlich Signal zu verlieren.
Da die verfügbare Aufnahmezeit ausschließlich für Hα- und SII-Daten ausreichte, fiel die Entscheidung in der Nachbearbeitung auf eine HSS-Palette. Diese ermöglicht es, auch mit reduzierter Kanalvielfalt eine differenzierte und ästhetisch ansprechende Darstellung der Nebelstrukturen zu erzielen.
9. Vergleich & Einordnung
Gegenüber klassischen APO-Refraktoren mit kleinerer Öffnung oder längerer Brennweite bietet der SQA130 ein deutlich größeres Blickfeld und höhere Lichtstärke (eine wirkliche Lichtkanone!), was kürzere Einzelbelichtungen erlaubt. Allerdings ist der Preis deutlich höher als bei vielen Astrographen im Öffnungsbereich von 100-130mm.
10. Fazit & Empfehlung
Stärken:
- Großes, gut korrigiertes Bildfeld für Kameras bis Vollformat (der Hersteller gibt sogar Mittelformat an)
- Hervorragende Sternabbildung (auch keine Beugungs-Spikes bei hellen Sternen!)
- Solide, durchdachte Mechanik (bekannt von Askar)
Schwächen:
- Relativ hohes Gewicht (mit oben montiertem Astrocomputer EAGLE-PC, Filterrad, Kamera komme ich auf gute 15kg!)
- Relativ hoher Preis im Profi-Segment
- Handgriff-Schwalbenschwanz und Rohrschellen entsprechen keinem Standard
- Längere Auskühlzeit durch das Quintuplet-Design (5 Linsen)
Aus meiner praktischen Erfahrung – unabhängig vom Askar SQA130 – entspricht der angegebene Backfokus von 55 mm nicht immer dem exakten (vom Hersteller angegebenen) Backfokus. In der Praxis zeigen sich häufig geringfügige Abweichungen (1-4mm), die individuell für das jeweilige Teleskop ermittelt werden müssen.
Askar bietet hierfür einen speziellen Backfokus-Adapter an, mit dem sich der Abstand im Bereich von ± 2 mm feinjustieren lässt. Ein nicht optimal eingestellter Backfokus kann sich optisch beispielsweise durch Koma-ähnliche Abbildungsfehler im Randbereich des Bildfeldes bemerkbar machen (Vollformat).
Ein weiterer Aspekt betrifft den werkseitig montierten Haltegriff mit integriertem Schwalbenschwanz (z. B. zur Aufnahme eines Suchers). Sowohl der Haltegriff selbst als auch dessen Befestigung an den Rohrschellen entsprechen leider keinem gängigen Industriestandard hinsichtlich der Abmessungen und Gewindebohrungen. Dies kann die Kompatibilität mit Zubehör anderer Hersteller einschränken.
Empfehlung:
Ideal für ambitionierte Deep-Sky-Astrofotografen, die mit Vollformat- oder größeren Sensoren arbeiten und eine schnelle, optisch sehr gute Optik wollen.
Mit einer Brennweite von 624 mm deckt der Askar SQA130 das ideale Feld für viele Paradeobjekte ab – von M31 und dem Orionnebel bis hin zum Rosetten- oder Nordamerikanebel. In Kombination mit dem Vollformat und der stattlichen 130-mm-Öffnung entpuppt sich dieses Teleskop als wahre Lichtkanone.
Links
Sehr interessanter Diskussionsstrang im Cloudy-Nights-Forum über den Askar SQA130, in dem u.a. ein Teilnehmer über Erfahrungen mit einer Mittelformatkamera ZWO ASI4461MM Pro berichtet.
https://www.cloudynights.com/forums/topic/984821-askar-sqa130-announced/page/9/#findComment-14614947

Hattest Du den SQA130 auch mit Vollformat getestet?
Kannst Du Rohdaten zur Verfügung stellen?
Hallo Roland,
BEIDES kommt noch!
Test Vollformat und Rohdaten lade ich die kommenden Tage hoch.
Clear Skies
Heiko