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Optolong L-Ultimate 2″ im Praxistest – Dualband-Filter für anspruchsvolle Deep-Sky-Aufnahmen

Einleitung

Dualband-Filter haben sich in der Deep-Sky-Astrofotografie zu einem wichtigen Werkzeug entwickelt, insbesondere bei Aufnahmen unter lichtverschmutztem Himmel. Der Optolong L-Ultimate gehört zu den besonders schmalbandigen Dualband-Filtern und konzentriert sich auf die beiden Emissionslinien Hα (656,3 nm) und OIII (495,9/500,7 nm).

Für diesen Test habe ich den L-Ultimate in der 2″ Version unter realen Aufnahmebedingungen (Bortle 5-6 Himmel) mit einem Askar SQA106 und einer ZWO ASI2600MC Air eingesetzt. Ziel war nicht nur zu überprüfen, wie stark der Filter den Himmelshintergrund unterdrückt, sondern vor allem, wie gut sich damit feine Nebelstrukturen, Sterne und Farben darstellen lassen.

Das Test-Setup

Für den Praxistest kam folgende Kombination zum Einsatz:

KomponenteAusstattung
TeleskopAskar SQA106
Öffnung106 mm
Brennweite509 mm
KameraZWO ASI2600MC Air
SensorSony IMX571, APS-C
FilterOptolong L-Ultimate 2″
FiltertypDualband Hα + OIII
Filterbreiteca. 3 nm
MontageZWO M54 2″-Filterschublade

Die Kombination aus dem relativ schnellen SQA106 mit f/4,8 und dem großen APS-C-Sensor der ASI2600MC Air stellt dabei durchaus Anforderungen an einen Filter. Gerade bei schnellen Optiken kann sich die effektive Durchlasscharakteristik schmalbandiger Filter durch den sogenannten Shift der Interferenzkurve verändern.

Der L-Ultimate ist deshalb ein interessanter Kandidat für einen Praxistest an diesem Teleskop.


Was macht den L-Ultimate besonders?

Der L-Ultimate ist kein klassischer Breitband-Lichtverschmutzungsfilter. Er arbeitet deutlich aggressiver und lässt im Wesentlichen nur zwei wichtige Emissionsbereiche passieren:

  • Hα bei 656,3 nm
  • OIII bei 495,9 und 500,7 nm

Mit einer Bandbreite von etwa 3 nm werden große Teile des sichtbaren Spektrums blockiert.

Das hat einen entscheidenden Vorteil: Der Himmelshintergrund wird deutlich dunkler. Gleichzeitig bleiben die für viele Emissionsnebel wichtigen Informationen erhalten.

Besonders interessant ist das bei Objekten wie:

  • Nordamerikanebel
  • Sadr-Region
  • Cirrusnebel
  • Hantelnebel M27
  • Rosettennebel
  • Herz- und Seelennebel
  • IC 1396
  • California-Nebel
  • zahlreichen Planetarischen Nebeln

Der Filter ist damit in erster Linie für Emissionsnebel gedacht. Für Galaxien, Reflexionsnebel oder Sternhaufen ist er dagegen nicht die erste Wahl.


Der erste Eindruck

Der L-Ultimate macht bereits beim ersten Blick deutlich, dass es sich nicht um einen typischen Light-Pollution-Filter handelt.

Das Filterglas wirkt sehr dunkel und lässt visuell kaum erkennen, wie viel Licht tatsächlich durchgelassen wird.

In Verbindung mit der ASI2600MC Air ist das allerdings kein Problem. Der große APS-C-Sensor der Kamera bietet zusammen mit dem SQA106 ein sehr interessantes Gesichtsfeld und ermöglicht es, auch größere Nebelgebiete vollständig aufzunehmen.

Der 2″-Filter ist für diese Kombination meiner Meinung nach die sinnvollere Wahl als ein kleiner 1,25″-Filter. Gerade bei APS-C-Sensoren ist eine ausreichend große Filterfläche wichtig, um Vignettierung und mögliche Randprobleme zu vermeiden.


Aufnahmebedingungen

Getestet wurde unter einem typischen mitteleuropäischen Vorstadt-Himmel bei Bortle 5-6. Gerade unter nicht optimal dunklem Himmel spielt der L-Ultimate seine Stärken aus.

Schon die ersten Einzelaufnahmen zeigen einen deutlich dunkleren Hintergrund als bei einer Aufnahme ohne Dualbandfilter.

Das Histogramm wandert deutlich nach links. Das ist zunächst ungewohnt und kann bei der Belichtungsplanung den Eindruck erwecken, dass man zu wenig Signal aufnimmt.

Tatsächlich ist das aber genau der gewünschte Effekt.

Der Filter reduziert nicht nur das Nutzsignal, sondern vor allem das unerwünschte kontinuierliche Spektrum des Himmelshintergrunds.


Bildqualität

Hier zeigt sich die eigentliche Stärke des L-Ultimate.

Bei Emissionsnebeln erhält man ein sehr kontrastreiches Signal. Besonders die Hα-Strukturen werden ausgesprochen deutlich herausgearbeitet.

Feine Nebelfilamente, schwache Ausläufer und Strukturen, die in einer normalen OSC-Aufnahme schnell im Hintergrund verschwinden können, werden deutlich besser sichtbar.

Dabei ist die Kombination aus SQA106 und ASI2600MC Air ausgesprochen interessant.

Der SQA106 liefert mit seiner Brennweite ein relativ großes Gesichtsfeld, während der IMX571-Sensor der ASI2600MC Air genügend Auflösung zur Verfügung stellt, um auch kleinere Strukturen in den Nebeln herauszuarbeiten.


Hα – die große Stärke

Die Hα-Wiedergabe ist für mich einer der größten Pluspunkte des Filters.

Rote Emissionsstrukturen kommen sehr deutlich zum Vorschein. Gerade bei großflächigen H-II-Regionen ist der Unterschied zu einer ungefilterten OSC-Aufnahme enorm.

Das gilt insbesondere für:

Nordamerikanebel, Rosettennebel und Herz-/Seelennebel.

Auch schwächere Hα-Ausläufer lassen sich nach ausreichender Gesamtbelichtungszeit sehr gut herausarbeiten.

Hier macht sich die extrem schmale Bandbreite des L-Ultimate bemerkbar.

Aufnahmedaten:
Kamera: ZWO ASI2600MC AIR
Teleskop: Askar SQA106
Montierung: ZWO AM5N

Die obige Aufnahme des Nordamerikanebels mit Pelikannebel ist eine Kombination aus nativer RGB-Aufnahme mit 30 Aufnahme á 60 Sekunden Belichtungszeit ohne Filter und 80 Aufnahmen á 180 Sekunden Belichtungszeit mit dem Optolong L-Ultimate Filter.

Der Zweck ist, die Sterne in natürlichen RGB-Farben darzustellen.

Das Seeing war in der Aufnahmenacht ausgesprochen gut, was die feinen Nebelstrukturen zeigen. Viele kleine Filamente insb. im Mexiko-Bogen des Nordamerikanebels sind erkannbar.

OIII – ebenfalls sehr überzeugend

Noch interessanter wird es bei Objekten, die einen starken OIII-Anteil besitzen.

Der Filter ermöglicht es, die blaugrünen OIII-Strukturen vom Hα-Signal zu trennen und anschließend in der Bildbearbeitung gezielt zu kombinieren.

Bei Planetarischen Nebeln ist das besonders interessant.

Auch der Hantelnebel M27 ist ein hervorragendes Beispiel dafür.

Die OIII-Strukturen lassen sich sehr deutlich herausarbeiten und ergeben zusammen mit Hα eine sehr kontrastreiche Darstellung des Nebels.


Farbgebung

Bei Dualbandfiltern ist die Farbgebung immer ein Thema.

Die Kamera nimmt schließlich gleichzeitig Hα und OIII auf. Die Farbinformation entspricht deshalb nicht einer klassischen RGB-Aufnahme.

Das Rohbild wirkt häufig zunächst sehr stark in Richtung Rot/Cyan verschoben.

Das ist kein Fehler des Filters, sondern eine direkte Folge seiner Arbeitsweise.

Die eigentliche Stärke liegt darin, dass man die unterschiedlichen Emissionsbereiche bei der Bearbeitung gezielt voneinander trennen kann.

Mit einer geeigneten Bearbeitung lassen sich beispielsweise sehr schöne Farbkombinationen erzeugen, bei denen:

  • Hα stärker in Richtung Rot/Orange geht
  • OIII Blau/Cyan bildet
  • Mischbereiche interessante Farbverläufe erzeugen

Gerade bei der Bearbeitung in PixInsight bietet das sehr viele Möglichkeiten.


Sterne

Ein wichtiger Punkt bei Dualbandfiltern ist das Verhalten der Sterne.

Durch die starke Unterdrückung des kontinuierlichen Spektrums erscheinen die Sterne deutlich schwächer als bei einer normalen RGB-Aufnahme.

Das kann zunächst ungewohnt aussehen, ist für die anschließende Bildbearbeitung aber durchaus ein Vorteil.

Die Nebel treten stärker in den Vordergrund und die Sterne dominieren das Bild weniger.

Allerdings sollte man bei der Bearbeitung darauf achten, die Sterne nicht künstlich zu stark aufzublähen. Sonst geht schnell der Vorteil des Filters verloren.

Für besonders anspruchsvolle Aufnahmen kann es außerdem interessant sein, die Sterne mit einer separaten RGB-Aufnahme zu erzeugen und anschließend mit dem Dualbandbild zu kombinieren.


Belichtungszeit

Die geringe Bandbreite des Filters führt naturgemäß zu deutlich weniger Licht auf dem Sensor.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass man extrem lange Einzelbelichtungen benötigt.

Die ASI2600MC Air besitzt einen sehr empfindlichen IMX571-Sensor mit einer großen Full-Well-Kapazität und sehr niedrigem Ausleserauschen.

In der Praxis würde ich daher nicht ausschließlich versuchen, möglichst lange Einzelbelichtungen zu verwenden.

Entscheidender ist die Gesamtbelichtungszeit.

Für hochwertige Aufnahmen würde ich beispielsweise eher mehrere Stunden Gesamtbelichtungszeit anstreben als wenige extrem lange Einzelaufnahmen.

Ein sinnvoller Ausgangspunkt für dieses Setup sind beispielsweise:

180–300 Sekunden pro Einzelaufnahme.

Je nach Himmelshelligkeit, Gain, Objekt und gewünschtem Signal kann davon natürlich deutlich abgewichen werden.


Vignettierung und APS-C-Sensor

Die Kombination aus 2″-Filter und APS-C-Sensor funktioniert am SQA106 sehr gut.

Der große Filterdurchmesser ist hier ein klarer Vorteil.

Bei einem Sensor wie dem IMX571 sollte man grundsätzlich darauf achten, dass Filter und optischer Aufbau ausreichend groß dimensioniert sind.

Gerade bei einem schnellen Teleskop können sich Randbereiche stärker bemerkbar machen.

Mit entsprechenden Flats lassen sich eventuell vorhandene Helligkeitsunterschiede jedoch sehr gut korrigieren.

Die ZWO ASI2600MC AIR ist eine sog. DUO-Kamera, d.h., ein Sensor für die Nachführung ist direkt integriert. Nachteil ist, dass Filter min. 2″ groß sein müssen, da sonst der Sensor für die Guiding-Kamera verdeckt wird.


Wie stark wird der Himmel abgedunkelt?

Das ist wahrscheinlich die wichtigste Frage beim Einsatz eines solchen Filters.

Die Antwort lautet: sehr deutlich.

Der L-Ultimate unterdrückt große Teile des sichtbaren Spektrums und lässt im Wesentlichen nur die gewünschten Emissionslinien passieren.

Das führt zu einem erheblich dunkleren Hintergrund.

Gerade unter einem Bortle-4/5-Himmel ist der Effekt noch gut erkennbar. Unter stärkerer Lichtverschmutzung dürfte der praktische Nutzen noch größer werden.

Wichtig ist allerdings:

Der Filter macht aus einem lichtverschmutzten Himmel keinen perfekten dunklen Standort.

Er reduziert lediglich einen großen Teil der unerwünschten Lichtanteile.

Ein dunkler Standort bleibt daher auch mit L-Ultimate überlegen.


Für welche Objekte ist der Filter geeignet?

Sehr gut geeignet

★★★★★

  • H-II-Regionen
  • Emissionsnebel
  • Planetarische Nebel
  • Supernova-Überreste
  • große Hα/OIII-Nebel

Gut geeignet

★★★★☆

  • komplexe Nebelgebiete mit Hα- und OIII-Anteilen
  • schwache Emissionsstrukturen

Weniger geeignet

★★☆☆☆

  • Galaxien
  • Reflexionsnebel
  • Sternhaufen
  • reine Breitbandobjekte

Für Galaxien würde ich beispielsweise einen deutlich breiteren Filter oder gar keinen Filter bevorzugen.


Der L-Ultimate am SQA106 – meine Einschätzung

Die Kombination aus Askar SQA106 + ASI2600MC Air + Optolong L-Ultimate 2″ funktioniert meiner Erfahrung nach ausgesprochen gut.

Der SQA106 ist mit seiner Brennweite ein sehr vielseitiges Teleskop. In Kombination mit dem APS-C-Sensor der ASI2600MC Air erhält man ein großes Gesichtsfeld, ohne auf eine hohe Auflösung verzichten zu müssen.

Der L-Ultimate ergänzt dieses Setup hervorragend.

Seine größte Stärke ist die Kombination aus:

hohem Nebelkontrast + sehr dunklem Hintergrund + guter Hα/OIII-Trennung.

Gerade bei Emissionsnebeln bekommt man damit bereits nach relativ kurzer Gesamtbelichtungszeit ein sehr deutliches Signal.


Vor- und Nachteile

Vorteile

  • extrem schmale Bandpassbereiche von 3nm
  • sehr gute Unterdrückung des Himmelshintergrunds
  • hervorragende Hα-Darstellung
  • sehr gute OIII-Wiedergabe
  • ideal für Emissionsnebel
  • sehr gut für OSC-Kameras geeignet
    + 2″-Version ideal für APS-C-Sensoren
  • sehr gute Kombination mit dem SQA106
  • ermöglicht Aufnahmen auch bei relativ hellerem Himmel

Nachteile

− nicht für Galaxien geeignet
− nicht für Reflexionsnebel optimiert
− reduzierte Sternhelligkeit
− Farbgebung erfordert Nachbearbeitung
− durch die schmale Bandbreite längere Gesamtbelichtungszeiten sinnvoll
− bei schnellen Optiken sollte der mögliche Bandpass-Shift berücksichtigt werden


Fazit

Der Optolong L-Ultimate 2″ ist für mich einer der interessantesten Dualbandfilter für die Deep-Sky-Fotografie mit einer Farbkamera.

Gerade die Kombination mit dem Askar SQA106 und der ZWO ASI2600MC Air zeigt, was mit einer modernen OSC-Kamera möglich ist.

Der Filter liefert ein sehr sauberes und kontrastreiches Signal und ermöglicht es, Hα- und OIII-Strukturen auch unter weniger optimalen Bedingungen sehr deutlich herauszuarbeiten.

Seine Stärke liegt eindeutig bei Emissionsnebeln. Wer dagegen hauptsächlich Galaxien fotografiert, wird mit einem solchen Filter kaum glücklich werden.

Für die klassische Hα/OIII-Nebelfotografie ist der L-Ultimate dagegen eine sehr starke Ergänzung.

Meine Bewertung

KategorieBewertung
Hα-Kontrast⭐⭐⭐⭐⭐
OIII-Kontrast⭐⭐⭐⭐⭐
Unterdrückung Lichtverschmutzung⭐⭐⭐⭐⭐
Farbtrennung⭐⭐⭐⭐☆
Sternwiedergabe⭐⭐⭐⭐☆
Verarbeitung⭐⭐⭐⭐⭐
Eignung für OSC⭐⭐⭐⭐⭐
Eignung für APS-C⭐⭐⭐⭐⭐
Preis/Leistung⭐⭐⭐⭐☆
Gesamt⭐⭐⭐⭐⭐

Gesamturteil: 9/10

Der L-Ultimate ist damit eine klare Empfehlung für Astrofotografen, die mit einer Farbkamera wie der ASI2600MC Air möglichst kontrastreiche Hα/OIII-Aufnahmen von Emissionsnebeln erstellen möchten.

Besonders die Kombination mit dem Askar SQA106 hat mich dabei überzeugt: großes Gesichtsfeld, hohe Auflösung und ein sehr kontrastreiches Nebelsignal.

Für mich ist der Optolong L-Ultimate damit kein Filter, der lediglich Lichtverschmutzung reduziert, sondern ein echtes Werkzeug zur gezielten Hα/OIII-Bildaufnahme.

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