NGC 6992 – Der Östliche Schleiernebel
Eine anspruchsvolle Aufnahme mit dem Askar SQA106 und der ZWO ASI2600MM Pro
Der Östliche Schleiernebel, auch als NGC 6992 oder Caldwell 33 bezeichnet, gehört für mich zu den interessantesten Motiven am Sommerhimmel. Die feinen, fadenartigen Strukturen des Nebels eignen sich hervorragend für die Schmalbandfotografie und zeigen sehr schön, was mit einer Monokamera und schmalbandigen Filtern möglich ist.
Für meine aktuelle Aufnahme kam der Askar SQA106 mit 106 mm Öffnung und 509 mm Brennweite zum Einsatz. Als Kamera verwendete ich die ZWO ASI2600MM Pro in Kombination mit 3-nm-Antlia-Schmalbandfiltern.
Das Ergebnis ist allerdings nicht unter besonders guten Bedingungen entstanden. Im Gegenteil: Die Aufnahmeserie war eine ziemliche Herausforderung. Hohe Dunstwolken und gleichzeitig ein kräftiger Mond sorgten immer wieder für schwierige Bedingungen. Ein erheblicher Teil der Einzelaufnahmen musste deshalb aussortiert werden.
Gerade deshalb war ich gespannt, was sich aus dem verbliebenen Material noch herausholen lässt.
Das verwendete Setup
Für die Aufnahme kam folgendes Setup zum Einsatz:
- Teleskop: Askar SQA106
- Öffnung: 106 mm
- Brennweite: 509 mm
- Kamera: ZWO ASI2600MM Pro
- Filter: Antlia 3 nm H-alpha, OIII und SII
- Aufnahmemethode: Schmalband / SHO
- Einzelbelichtungen: jeweils 300 Sekunden
- Gesamtbelichtungszeit: 4 Stunden 45 Minuten
Der SQA106 ist mit seinen 509 mm Brennweite für den Östlichen Schleiernebel sehr interessant. Das Objekt ist groß und filigran, gleichzeitig besitzt es aber zahlreiche feine Strukturen, die von der relativ kurzen Brennweite und dem guten Auflösungsvermögen des Astrographen profitieren.
Gerade die Kombination aus der großen APS-C-Fläche der ASI2600MM Pro und den 509 mm Brennweite ergibt einen Bildausschnitt, der einen schönen Bereich des Schleiernebels zeigt, ohne dass die feinen Strukturen zu klein werden.
Schwierige Aufnahmebedingungen
Eigentlich hätte diese Aufnahmeserie deutlich umfangreicher werden sollen.
Der Schleiernebel ist grundsätzlich ein sehr dankbares Schmalbandobjekt. H-alpha und OIII sind ausgesprochen gut ausgeprägt, und gerade OIII zeigt in den feinen Filamenten sehr interessante Strukturen. NGC 6992 eignet sich deshalb hervorragend für eine Aufnahme mit einer Monokamera und schmalbandigen Filtern.
Die Bedingungen in dieser Nacht waren allerdings alles andere als ideal.
Zum einen befanden sich immer wieder hohe Dunstwolken am Himmel. Zum anderen stand der Mond hell am Himmel, wodurch sich insbesondere bei den Aufnahmen mit den schmalbandigen Filtern ein deutlich hellerer Hintergrund bemerkbar machte.
Bei 3-nm-Filtern lässt sich der Einfluss des Mondes zwar erheblich reduzieren, vollständig verschwinden die Auswirkungen ungünstiger Bedingungen aber natürlich nicht. Gerade Dunst und dünne Wolken können die Transparenz massiv verschlechtern.
Das hatte eine direkte Konsequenz: Viele Einzelaufnahmen waren für eine Verwendung im endgültigen Stack schlicht nicht geeignet.
Ich musste deshalb relativ konsequent aussortieren. Letztlich blieben 22 H-alpha-, 30 OIII- und 5 SII-Aufnahmen übrig.
Die verwendeten Einzelaufnahmen
Alle verbliebenen Aufnahmen wurden mit jeweils 300 Sekunden Belichtungszeit aufgenommen.
Damit ergibt sich folgende Integrationszeit:
| Kanal | Einzelaufnahmen | Belichtungszeit | Gesamt |
|---|
| H-alpha | 22 | 300 s | 110 min |
| OIII | 30 | 300 s | 150 min |
| SII | 5 | 300 s | 25 min |
| Gesamt | 57 | 300 s | 4 h 45 min |
Besonders auffällig ist dabei das Verhältnis zwischen den einzelnen Kanälen, was auch in der Nachbearbeitung eine Herausforderung war.
Mit 150 Minuten OIII ist dieser Kanal am längsten belichtet. Das war auch sinnvoll, denn gerade beim Schleiernebel ist OIII ausgesprochen wichtig und liefert einen großen Teil der charakteristischen feinen Strukturen.
H-alpha kommt mit 110 Minuten ebenfalls auf eine solide Integrationszeit.
Der SII-Kanal fällt dagegen mit lediglich 25 Minuten deutlich ab. Hier war aufgrund der schwierigen Aufnahmebedingungen schlicht nicht mehr verwertbares Material vorhanden.
Für eine klassische, ausgewogene SHO-Aufnahme ist das natürlich nicht die ideale Ausgangslage. Trotzdem wollte ich auf SII nicht vollständig verzichten. Schon die wenigen brauchbaren Aufnahmen liefern zusätzliche Informationen, die sich bei der späteren Farbgestaltung nutzen lassen.
Der Östliche Schleiernebel
NGC 6992 ist der östliche Teil des großen Cygnus Loop, eines Supernova-Überrests im Sternbild Schwan. NGC 6992 und der angrenzende NGC 6995 bilden dabei den charakteristischen östlichen Bereich des Schleiernebels. Die gesamte Struktur erstreckt sich über mehrere Grad am Himmel.

Was den Schleiernebel für mich besonders interessant macht, sind seine extrem feinen Strukturen.

Anders als bei vielen klassischen Emissionsnebeln sieht man hier keine großen, gleichmäßig leuchtenden Gaswolken. Stattdessen dominieren dünne, verschlungene Filamente und fadenartige Strukturen, die sich über den Bildausschnitt ziehen.

Diese Strukturen entstehen durch die expandierende Schockfront des Supernova-Überrests, die mit dem umgebenden interstellaren Medium wechselwirkt. Dabei entstehen unter anderem Emissionen von ionisiertem Wasserstoff und Sauerstoff.
Genau deshalb funktioniert der Schleiernebel so hervorragend mit einer Monokamera und Schmalbandfiltern.
Was mich besonders beeindruckt, ist die Schärfe, die der Askar SQA106 abliefert bei diesem Objekt.
Die Bearbeitung
Bei der Bearbeitung war das Ziel diesmal nicht, aus den relativ schwierigen Daten um jeden Preis ein möglichst extremes Ergebnis herauszuholen.
Gerade bei einer Aufnahme mit viel verworfenem Material und wechselnder Transparenz besteht schnell die Gefahr, beim Stretching den Hintergrund zu stark hochzuziehen und damit auch die vorhandenen Gradienten und das Rauschen zu verstärken.
Die einzelnen H-alpha-, OIII- und SII-Daten wurden zunächst separat verarbeitet und anschließend zu einem Farbbild kombiniert.
Dabei war insbesondere der OIII-Kanal interessant. Trotz der schwierigen Bedingungen zeigt er eine ganze Reihe sehr feiner Strukturen und trägt wesentlich zum Erscheinungsbild des fertigen Bildes bei.
Anschließend wurden die üblichen Schritte zur Verbesserung von Details und Rauschverhalten durchgeführt (BXT und MLDenoise). Dabei habe ich versucht, die Strukturen des Nebels möglichst natürlich zu erhalten und nicht durch übermäßige Schärfung künstlich hervorzuheben.
Gerade beim Schleiernebel finde ich es wichtig, die feinen Filamente nicht zu einer Art künstlichem „Scharfzeichnungsgeflecht“ werden zu lassen. Die Aufnahme lebt von den unterschiedlichen Helligkeiten und den teilweise sehr dünnen Strukturen.
Überraschend viel Detail trotz der schwierigen Bedingungen
Was mich bei der fertigen Aufnahme am meisten überrascht hat, ist letztlich die Menge an Detail, die trotz der schwierigen Aufnahmebedingungen erhalten geblieben ist.
Mit insgesamt nur 4 Stunden 45 Minuten verwertbarer Integrationszeit ist die Datenbasis für eine ausgeprägte SHO-Aufnahme eher überschaubar. Zum Vergleich: Bei anspruchsvolleren Schmalbandaufnahmen des Schleiernebels werden nicht selten deutlich längere Integrationszeiten eingesetzt.
Der SQA106 liefert hier allerdings eine sehr gute Grundlage.
Die Kombination aus 106 mm Öffnung, 509 mm Brennweite und der ASI2600MM Pro passt meiner Meinung nach ausgesprochen gut zu diesem Objekt. Die feinen Filamente werden groß genug abgebildet, um ihre Struktur sichtbar zu machen, gleichzeitig bleibt genügend Umfeld um NGC 6992 erhalten.
Besonders schön finde ich dabei die vielen kleinen Verästelungen innerhalb der helleren Nebelfilamente. Erst bei genauer Betrachtung erkennt man, wie komplex die Struktur des Schleiernebels tatsächlich ist.
H-alpha gegen OIII
Eine Besonderheit dieser Aufnahme ist für mich auch der Vergleich zwischen H-alpha und OIII.
Während H-alpha einen großen Teil der rötlichen Strukturen sichtbar macht, zeigt OIII zahlreiche Bereiche, die im fertigen Farbbild für die charakteristischen blaugrünen Farbtöne sorgen.
Der Schleiernebel ist deshalb ein schönes Beispiel dafür, dass Schmalbandfotografie nicht einfach nur bedeutet, möglichst viel H-alpha-Signal zu sammeln.
Gerade OIII spielt bei diesem Objekt eine außergewöhnlich wichtige Rolle. Auch andere Astrofotografen berichten bei NGC 6992 von einem sehr starken OIII-Anteil und nutzen deshalb häufig HOO- oder SHO-Verfahren.
Das macht NGC 6992 für mich zu einem besonders interessanten Ziel für eine Monokamera.
Was ich bei einer zweiten Aufnahme anders machen würde
Wenn ich den Östlichen Schleiernebel noch einmal aufnehmen würde, wäre die erste Änderung ganz eindeutig die Integrationszeit.
Vor allem SII würde ich deutlich länger belichten. Die gerade einmal fünf verwertbaren SII-Aufnahmen sind für eine ausgewogene SHO-Komposition eigentlich zu wenig.
Auch bei H-alpha und OIII würde ich die Datenmenge gerne noch erhöhen. Gerade bei einem Objekt mit so vielen feinen Strukturen lohnt sich zusätzliche Integrationszeit.
Der wichtigste Faktor wäre allerdings eine bessere Nacht.
Die Aufnahme zeigt für mich sehr schön, dass moderne Kameras und 3-nm-Schmalbandfilter zwar einiges ermöglichen, aber auch sie können schlechte Transparenz nicht vollständig kompensieren. Bei hohen Dunstwolken hilft letztlich nur eines: auf bessere Bedingungen warten.
Fazit
Der Östliche Schleiernebel war für mich diesmal weniger eine Aufnahme unter perfekten Bedingungen als vielmehr ein interessantes Experiment, was sich aus einer relativ begrenzten und teilweise schwierigen Datenbasis noch herausholen lässt.
Trotz Mond, Dunst und entsprechend hohem Ausschuss sind am Ende 57 verwertbare Einzelaufnahmen mit insgesamt 4 Stunden 45 Minuten Integrationszeit zusammengekommen.
Der Askar SQA106 hat dabei erneut gezeigt, dass er für solche filigranen Schmalbandobjekte sehr gut geeignet ist. Die 509 mm Brennweite liefern einen schönen Bildausschnitt, während die 106-mm-Öffnung genügend Auflösung bietet, um die feinen Strukturen des Schleiernebels herauszuarbeiten.
Besonders beeindruckend finde ich den OIII-Anteil. Die zahlreichen feinen, teilweise fast haarfeinen Filamente machen NGC 6992 zu einem Objekt, bei dem man beim Hineinzoomen immer wieder neue Strukturen entdeckt.
Perfekt ist die Aufnahme sicherlich nicht – dafür waren die Bedingungen und insbesondere die verfügbare SII-Integrationszeit einfach zu schlecht.
Aber gerade das macht den Aufnahmebericht für mich interessant: Nicht jede gute Astrofotonacht liefert perfekte Rohdaten. Manchmal geht es vielmehr darum, aus dem vorhandenen Material das Beste herauszuholen.
Und genau dafür ist der Östliche Schleiernebel ein hervorragendes Motiv.
