NGC 6960 – Der Westliche Schleiernebel mit dem Askar SQA106
Eine Schmalbandaufnahme mit der ZWO ASI2600MM Pro und 3-nm-Antlia-Filtern
Nachdem ich mich bereits mit dem Östlichen Schleiernebel NGC 6992 beschäftigt hatte, wollte ich mir nun auch den westlichen Teil des Schleiernebels genauer ansehen. NGC 6960 ist dabei nicht weniger interessant – im Gegenteil.
Die langen, extrem feinen Filamente des Westlichen Schleiernebels sind ein hervorragendes Testobjekt für ein optisch sehr scharfes Teleskop. Gerade bei einer Aufnahme mit einer Monokamera und schmalbandigen Filtern zeigt sich schnell, wie gut ein System in der Lage ist, kleinste Strukturen tatsächlich abzubilden.
Für diese Aufnahme kam erneut mein Askar SQA106 zusammen mit der ZWO ASI2600MM Pro zum Einsatz. Für H-alpha und OIII habe ich die 3-nm-Schmalbandfilter von Antlia verwendet.
Diesmal habe ich allerdings bewusst etwas mehr Zeit in den OIII-Kanal investiert.

Das verwendete Setup
Für die Aufnahme kam folgendes Setup zum Einsatz:
- Teleskop: Askar SQA106
- Öffnung: 106 mm
- Brennweite: 509 mm
- Kamera: ZWO ASI2600MM Pro
- H-alpha-Filter: Antlia 3 nm
- OIII-Filter: Antlia 3 nm
- RGB-Filter: Antlia LRGB
- Aufnahmemethode: Schmalband + RGB-Sterne
- H-alpha: 20 × 300 Sekunden
- OIII: 29 × 300 Sekunden
- RGB: jeweils 30 × 60 Sekunden

Damit ergeben sich für die Nebeldaten folgende Integrationszeiten:
| Kanal | Einzelaufnahmen | Belichtungszeit | Gesamt |
|---|---|---|---|
| H-alpha | 20 | 300 s | 100 min |
| OIII | 29 | 300 s | 145 min |
| RGB | 30 je Kanal | 60 s | 30 min je Kanal |
Die Schmalbanddaten kommen damit bereits auf 4 Stunden und 5 Minuten reine Belichtungszeit. Das ist nicht sonderlich viel, aber eben ausreichend, um das Objekt in der Nachbearbeitung mit Pixinsight schön darzustellen.
NGC 6960 – der Westliche Schleiernebel
NGC 6960 ist der westliche Teil des großen Cygnus Loop, eines Supernova-Überrests im Sternbild Schwan.
Besonders charakteristisch ist der lange, geschwungene Nebelbogen, der sich aus unzähligen feinen Filamenten zusammensetzt. Genau diese Strukturen machen den Schleiernebel für mich zu einem so interessanten fotografischen Objekt.
Schon bei einer normalen Darstellung ist die Struktur beeindruckend. Interessant wird es aber vor allem dann, wenn man stärker in das Bild hineinzoomt.
Hier zeigt sich sehr deutlich, wie viele kleine Verästelungen und Filamente tatsächlich vorhanden sind.
Genau deshalb eignet sich NGC 6960 meiner Meinung nach auch sehr gut, um die Leistungsfähigkeit eines Astrographen zu beurteilen.
Viel OIII für möglichst wenig Rauschen
Bei dieser Aufnahme habe ich bewusst relativ viele OIII-Aufnahmen gesammelt.
Insgesamt sind 29 Einzelaufnahmen mit jeweils 300 Sekunden entstanden. Das entspricht 145 Minuten OIII-Integrationszeit.
Das macht sich in der späteren Bearbeitung bemerkbar.
Gerade der OIII-Kanal ist beim Schleiernebel extrem wichtig. Er liefert nicht nur einen großen Teil der sichtbaren Strukturen, sondern bestimmt bei einer HOO-Darstellung auch maßgeblich die charakteristischen blaugrünen Farbtöne.
Gleichzeitig ist OIII ein Kanal, der bei der Bearbeitung schnell problematisch werden kann. Wenig Signal und stärkeres Rauschen führen insbesondere beim Stretching schnell dazu, dass feine Strukturen von einem körnigen Hintergrund überlagert werden.
Die relativ hohe Zahl an Einzelaufnahmen hilft hier enorm.
Durch das Stacken von 29 Aufnahmen lässt sich das zufällige Rauschen deutlich reduzieren. Dadurch bleibt bei der anschließenden Bearbeitung wesentlich mehr Spielraum, ohne dass der Hintergrund sofort unangenehm körnig wird.
Gerade bei einem Objekt wie NGC 6960 ist das wichtig, denn die sehr feinen Nebelfilamente liegen teilweise nur wenig über dem Hintergrund.
Ein Versuch, in dem ich nur knappe 10 Aufnahmen aus der ersten Nacht mit OIII gestackt hatte, ergab ein relativ starkes Rauschen in der Nachbearbeitung.
RGB-Aufnahmen für die Sterne
Für die Sterne habe ich diesmal nicht versucht, die RGB-Sterne aus den Schmalbanddaten zu rekonstruieren.
Stattdessen habe ich zusätzlich kurze RGB-Aufnahmen angefertigt.
Pro Farbkanal entstanden 30 Aufnahmen mit jeweils 60 Sekunden Belichtungszeit.
Das hat mehrere Vorteile.
Die Sterne bleiben deutlich natürlicher, und insbesondere die helleren Sterne lassen sich wesentlich besser kontrollieren. Bei einer reinen Schmalbandaufnahme besteht dagegen schnell die Gefahr, dass die Sterne durch die unterschiedlichen Emissionslinien ungewöhnliche Farben bekommen.
Mit den kurzen RGB-Aufnahmen konnte ich die Sterne anschließend separat bearbeiten und mit den Schmalbanddaten kombinieren.
Das Ergebnis wirkt dadurch für mich deutlich natürlicher, ohne dass die Nebelstrukturen an Wirkung verlieren.
Die Bearbeitung mit PixInsight
Bei der Bearbeitung habe ich mich diesmal besonders mit einer relativ neuen Möglichkeit in PixInsight beschäftigt: MLDenoise.
Ich hatte MLDenoise bereits bei anderen Aufnahmen ausprobiert und wollte nun sehen, wie es sich bei den extrem feinen Strukturen des Schleiernebels verhält.
Mein Eindruck nach mehreren Aufnahmen ist mittlerweile ziemlich eindeutig:
MLDenoise gefällt mir noch etwas besser als NoiseXTerminator.
Das ist natürlich eine persönliche Einschätzung und keine allgemeingültige Aussage. Beide Werkzeuge leisten hervorragende Arbeit.
Bei MLDenoise gefällt mir aber insbesondere, wie gut sich das Rauschen reduzieren lässt, ohne dass die feinen Strukturen des Nebels dabei offensichtlich verloren gehen.
Gerade beim Schleiernebel ist das ein entscheidender Punkt.
Die Filamente sind teilweise so fein, dass eine zu aggressive Rauschreduzierung schnell dazu führen kann, dass genau die Strukturen verschwinden, die man eigentlich sichtbar machen möchte.
MLDenoise ermöglicht mir hier eine sehr starke Rauschreduzierung bei gleichzeitig sehr guter Erhaltung der vorhandenen Details.
Warum das für starke Vergrößerungen interessant ist
Ein weiterer Vorteil zeigt sich erst beim späteren Betrachten des fertigen Bildes.
Durch die Kombination aus ausreichend Integrationszeit, insbesondere im OIII-Kanal, und einer guten Rauschreduzierung lassen sich aus dem Gesamtbild auch relativ starke Ausschnittsvergrößerungen erstellen.
Das ist für mich bei dieser Aufnahme besonders interessant.
Beim normalen Blick auf das Gesamtbild erkennt man zunächst den großen Bogen von NGC 6960. Zoomt man allerdings in einzelne Bereiche hinein, tauchen immer neue kleine Strukturen auf.
Genau diese Detaildarstellung funktioniert nur dann wirklich gut, wenn das Ausgangsmaterial entsprechend sauber ist.
Ein Bild kann auf den ersten Blick scharf aussehen und trotzdem beim starken Herausvergrößern sehr schnell in Rauschen zerfallen.
Das war bei dieser Aufnahme deutlich weniger der Fall.
Die Kombination aus der hohen OIII-Integrationszeit und MLDenoise hat hier meiner Erfahrung nach eine sehr gute Grundlage geschaffen.

Der Askar SQA106 zeigt erneut seine Stärke
Auch bei NGC 6960 zeigt sich für mich wieder eine Stärke des Askar SQA106.
Mit 106 mm Öffnung und 509 mm Brennweite bietet der Astrograph einen interessanten Kompromiss aus Bildfeld und Auflösung.
Der Westliche Schleiernebel ist groß genug, dass eine deutlich längere Brennweite schnell dazu führen würde, dass nur noch ein kleiner Ausschnitt des Objekts auf dem Sensor landet.
Gleichzeitig sind die Filamente so fein, dass eine zu kurze Brennweite wiederum viele Details verschenken würde.
Die 509 mm des SQA106 passen deshalb meiner Meinung nach sehr gut zu diesem Objekt.
Besonders bei den stärkeren Ausschnittsvergrößerungen zeigt sich, wie viele feine Strukturen tatsächlich im Bild vorhanden sind.
Östlicher gegen Westlicher Schleiernebel
Die beiden Aufnahmen von NGC 6992 und NGC 6960 sind für mich auch deshalb interessant, weil sie einen direkten Vergleich ermöglichen.
Beim Östlichen Schleiernebel hatte ich noch mit schwierigen Aufnahmebedingungen, Dunst und Mond zu kämpfen. Entsprechend musste ich dort einen erheblichen Teil der Einzelaufnahmen aussortieren.
Bei NGC 6960 konnte ich dagegen gezielter Daten sammeln und insbesondere den OIII-Kanal stärker gewichten.
Dadurch ist die Datenbasis für die Bearbeitung diesmal deutlich angenehmer.
Beide Aufnahmen zeigen aber sehr schön, warum der Schleiernebel zu meinen bevorzugten Schmalbandmotiven gehört.
Die Strukturen sind extrem fein und gleichzeitig großflächig genug, um mit einem Astrographen wie dem SQA106 einen sehr interessanten Bildausschnitt zu erzeugen.
Fazit
NGC 6960 war für mich eine konsequente Fortsetzung meiner Aufnahme des Östlichen Schleiernebels.
Mit 20 H-alpha- und 29 OIII-Aufnahmen, jeweils 300 Sekunden belichtet, standen insgesamt mehr als vier Stunden Schmalbanddaten zur Verfügung. Ergänzt wurden diese durch kurze RGB-Aufnahmen für die Sterne.
Besonders der hohe Anteil an OIII hat sich bei der Bearbeitung bezahlt gemacht. Die zusätzliche Integrationszeit sorgt für ein deutlich besser kontrollierbares Rauschverhalten und lässt wesentlich mehr Spielraum bei der Herausarbeitung der feinen Nebelstrukturen.
Ein weiterer wichtiger Faktor war für mich die Verwendung von MLDenoise in PixInsight.
Nach meinen bisherigen Erfahrungen liefert MLDenoise bei dieser Art von Daten noch einmal etwas bessere Ergebnisse als NoiseXTerminator. Vor allem die Kombination aus starker Rauschreduzierung und guter Erhaltung feinster Strukturen gefällt mir sehr gut.
Das macht sich nicht nur im Gesamtbild bemerkbar.
Gerade bei stärkeren Ausschnittsvergrößerungen zeigt sich, wie wichtig ein möglichst sauberes Ausgangssignal ist. Wo ein verrauschtes Bild beim Hineinzoomen schnell auseinanderfällt, bleiben hier erstaunlich viele Details sichtbar.
Und genau das macht den Schleiernebel für mich so interessant:
Je weiter man hineinzoomt, desto mehr entdeckt man.
Der Östliche und der Westliche Schleiernebel bilden damit für mich inzwischen ein schönes kleines Projekt rund um den Cygnus Loop – und der Askar SQA106 zeigt dabei erneut, wie gut sich feine Schmalbandstrukturen mit diesem Astrographen herausarbeiten lassen.

WOW!
Die Farbgebung und die superscharfen Details gefallen mir ausgesprochen gut!!!
Was eine super Aufnahme, wirklich!
Kompliment!
Hallo Heiko!
Wieder einmal ein tolles Ergebnis. Ich bin auch dabei, mich in Pixinsight einzuarbeiten.
Allerdings ist es am Anfang sehr komplex und umfangreich. Man wird nicht geführt und weiß am Anfang gar nicht, wie man anfangen soll bzw. welche Prozesse man sinnvoll hintereinander und in welcher Reihenfolge ausführt.
Dein Hinweis hier zu MLDenoise würde ich gerne auch mal ausprobieren auf meine Daten.
Und ja, NGC6960 hatte ich bislang noch nie auf dem Schirm, besonders die Ausschnittsvergrößerung zeigt ja unfassbare Details und das bei 509mm Brennweite!!! Willst Du nochmal einen Versuch mit Deinem Askar 120 starten? Der hat doch knappe 850mm Brennweite, oder?
Beste Grüße
Jan Kneske
Hi Jan!
Mein Tipp wäre, auf YouTube sich einen Kanal auszusuchen, der einem persönlich vom Stil gefällt und dort einige Videos zu Pixinsight nachzustellen.
Lukomatico ist so ein Kanal aus England und er stellt sogar z.T. Demodaten zum Download bereit, um den Arbeitsablauf nachzuvollziehen und zu lernen.
Wie so häufig ist hier das Motto, Übung macht den Meister.
Auch ich habe hier einfache Pixinsight-Workflows für RGB oder sogar Schmalband veröffentlicht, die man nacharbeiten kann und so in das Thema reinkommt.
Und zu NGC9660 nochmal. Mit dem Askar 120 hatte ich schon WR134 mal versucht. Aber f/7 ist eben etwas anderes als f/4,8 und der SQA bildet nochmal sehr scharf ab, was ich im Artikel angedeutet hatte.
Ich werde aber definitiv es nochmal mit einem deutlich langbrennweitigeren Teleskop versuchen, welches hoffentlich bald auf meine Montierung zieht 😉
CS
Heiko