Vergleichstest: ZWO ASIAIR Plus 32GB vs. ZWO ASIAIR Plus 256GB – Lohnt sich das Upgrade?

Die ZWO ASIAIR Plus gehört seit Jahren zu den beliebtesten Steuerzentralen für die Astrofotografie. Polar Alignment, Autoguiding, Platesolving, Autofokus, Sequenzen und Meridian Flip – alles lässt sich bequem per Smartphone oder Tablet steuern. Doch seit einiger Zeit bietet ZWO neben der bekannten 32-GB-Version auch eine neue Variante mit 256 GB internem Speicher an.

Die entscheidende Frage lautet: Handelt es sich lediglich um mehr Speicherplatz oder steckt mehr hinter dem Upgrade?

Ich habe mir beide Modelle genauer angesehen.

Technische Daten im Vergleich

MerkmalASIAIR Plus 32GBASIAIR Plus 256GB
RAM4 GB DDR44 GB DDR4
Interner Speicher32 GB eMMC256 GB eMMC
NetzwerkGigabit EthernetGigabit Ethernet
WLAN2,4 GHz2,4/5 GHz
USB-Anschlüsse2× USB 2.0, 2× USB 3.0, 1x USB-C2× USB 2.0, 2× USB 3.0
Stromausgänge4× 12 V4× 12 V
Gewichtca. 210 gca. 210 g
BetriebssystemASIAIR OSASIAIR OS

Beide Geräte verfügen auf dem Papier nahezu über identische technische Daten. Der Unterschied liegt zunächst ausschließlich beim integrierten eMMC-Speicher und beim WLAN.

Was ist neu bei der 256-GB-Version?

ZWO hat bei der Einführung der 256-GB-Variante nicht einfach nur den Speicher vergrößert. Laut Hersteller kommen teilweise überarbeitete Hardware-Plattformen und schnellere Speicherbausteine zum Einsatz. In den offiziellen Angaben ist von einer bis zu 26 % höheren Leistung bei Kurzbelichtungen und bis zu 30 % bei Videoaufnahmen die Rede.

Gerade bei Planeten- und Sonnenaufnahmen kann dies interessant sein. Wer beispielsweise mit einer ASI585MC, ASI678MC oder ASI662MC arbeitet und mehrere Gigabyte Videodaten pro Minute erzeugt, profitiert von den höheren Schreibraten der neuen Version.

Speicherplatz in der Praxis

Die meisten Deep-Sky-Astrofotografen speichern ihre Aufnahmen ohnehin direkt auf einem USB-Stick, einer SSD oder übertragen die Daten nach der Aufnahmesession auf den heimischen Rechner.

Ein typisches Beispiel:

  • ASI2600MC Pro
  • 300 Lights à 50 MB
  • 50 Flats
  • 50 Darks

Bereits eine einzige Nacht kann problemlos 15–20 GB Daten erzeugen.

Mit der 32-GB-Version wird es daher relativ schnell eng. Nach Berücksichtigung des Betriebssystems bleiben dem Nutzer nur rund 20–24 GB frei. Wer mehrere Nächte unterwegs ist, muss regelmäßig Daten sichern oder externen Speicher verwenden.

Die 256-GB-Version bietet dagegen genügend Reserven für längere Astrotrips. Selbst eine Woche auf einem dunklen Beobachtungsplatz ist damit problemlos möglich.

Ein wichtiger Unterschied: TF-Karten-Slot

Interessant ist, dass es mittlerweile unterschiedliche Revisionen der ASIAIR Plus 256GB gibt. Einige frühe Modelle besaßen zusätzlich einen TF-/microSD-Kartenslot, während neuere Versionen darauf verzichten. Wer eine gebrauchte ASIAIR Plus 256GB kauft, sollte daher genau hinschauen.

In der Community wird der Wegfall des Kartenslots teilweise kritisch gesehen, da sich die Speicherkapazität früher sehr einfach erweitern ließ.

Geschwindigkeit in der Astropraxis

Im praktischen Einsatz bei der Deep-Sky-Fotografie konnte ich nur geringe Unterschiede feststellen:

  • Platesolving: praktisch identisch
  • Polar Alignment: identisch
  • Guiding: identisch
  • Autofokus: identisch
  • Sequenzsteuerung: identisch
  • Live Stacking: minimal schneller bei 256 GB

Wer ausschließlich Langzeitbelichtungen zwischen 120 und 600 Sekunden aufnimmt, wird den Leistungsunterschied kaum bemerken.

Anders sieht es bei der Planetenfotografie aus. Hier erzeugen moderne Kameras enorme Datenmengen, und die höhere Schreibgeschwindigkeit der 256-GB-Version kann tatsächlich Vorteile bringen.

WLAN

Das neue Modell der ASIAIR Plus unterstützt neben dem klassischen 2,4-GHz-WLAN auch den schnelleren 5-GHz-Betrieb. Während 5 GHz höhere Übertragungsraten ermöglicht, ist die Reichweite im Vergleich zu 2,4 GHz in der Regel geringer.

Im Praxistest zeigte die ASIAIR Plus 256G dennoch eine deutliche Verbesserung der WLAN-Leistung. Sowohl die Reichweite als auch die Stabilität der Verbindung konnten gegenüber dem Vorgängermodell spürbar zulegen, was sich insbesondere bei der Steuerung aus größerer Entfernung positiv bemerkbar macht.

Nach mehreren Praxiseinsätzen zeigt sich im Vergleich zwischen der ASIAIR Plus 256 GB und der ZWO ASI2600MC Air, bei der die ASIAIR bereits in die Kamera integriert ist, ein deutlicher Unterschied bei der WLAN-Leistung.

Die in der Kamera integrierte Version bietet ein deutlich stabileres und reichweitenstärkeres WLAN als die separate ASIAIR Plus 256 GB.

Bei der ASIAIR Plus 256 GB bin ich daher zwingend auf einen WLAN-Repeater angewiesen. Ohne diesen ist die Reichweite für meine Anwendung praktisch unbrauchbar. Bereits in einer Entfernung von wenigen Metern ist das WLAN-Signal teilweise nicht mehr zuverlässig verfügbar.

Mit der in die ZWO ASI2600MC Air integrierten ASIAIR tritt dieses Problem dagegen überhaupt nicht auf. Hier ist die WLAN-Verbindung auch über größere Entfernungen hinweg deutlich stabiler und zuverlässiger.

Für wen eignet sich welches Modell?

ZWO ASIAIR Plus 32GB

Empfehlenswert für:

  • Einsteiger in die Astrofotografie (günstig auf dem Gebrauchtmarkt!)
  • Deep-Sky-Fotografen mit externem USB-Speicher
  • Anwender mit stationärer Sternwarte
  • Nutzer mit begrenztem Budget (günstig auf dem Gebrauchtmarkt!)

ZWO ASIAIR Plus 256GB

Empfehlenswert für:

  • Mobile Astrofotografen
  • Mehrtägige Astroreisen
  • Planeten- und Sonnenfotografen
  • Nutzer großer Kameras (ASI2600, ASI6200, ASI2400)
  • Anwender, die möglichst ohne Zusatzhardware arbeiten möchten

Fazit

Die ZWO ASIAIR Plus 256GB ist mehr als nur eine ASIAIR Plus mit größerem Speicher. Der interne Speicher ist deutlich schneller, und ZWO hat offenbar auch Teile der Hardware überarbeitet. Dennoch sollte man die Unterschiede nicht überschätzen.

Für die klassische Deep-Sky-Astrofotografie liefert bereits die 32-GB-Version eine hervorragende Leistung. Wer ohnehin mit SSD oder USB-Stick arbeitet, wird im Alltag kaum Einschränkungen feststellen.

Die 256-GB-Version spielt ihre Stärken vor allem bei mobilen Einsätzen, längeren Astrotrips und der Planetenfotografie aus. Wer heute neu kauft und den Aufpreis von rund 100 Euro verschmerzen kann, fährt mit der größeren Variante langfristig besser.

Mein abschließendes Urteil: Wer bereits eine ASIAIR Plus 32GB besitzt und ausschließlich Deep Sky fotografiert, muss nicht zwangsläufig upgraden. Wer jedoch neu einsteigt oder maximale Flexibilität sucht, sollte direkt zur 256-GB-Version greifen.

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