Testbericht: Askar 120APO – Leistungsstarker Allround-Apochromat für ambitionierte Astrofotografen
Mit dem Askar 120APO bringt der Hersteller Sharpstar/Askar einen apochromatischen Refraktor auf den Markt, der gezielt die Lücke zwischen kompakten 80–100 mm Astrographen und deutlich teureren High-End-Systemen schließen soll.
Mit 120 mm Öffnung, f/7 und Triplet-Optik richtet sich das Gerät klar an fortgeschrittene Anwender, die sowohl Deep-Sky-Fotografie als auch visuelle Beobachtung auf hohem Niveau betreiben möchten.
Doch wie schlägt sich das Teleskop in der Praxis?
Technische Daten
- Bauart: Apochromatischer Triplet-Refraktor (ED-Glas)
- Öffnung: 120 mm
- Brennweite: 840 mm
- Öffnungsverhältnis: f/7
- Gewicht (OTA): ca. 5,7 kg
- Fokussierer: 3,3″ Rack & Pinion mit 1:10 Untersetzung
- Zubehör: Rohrschellen, Prismenschiene, Transporttasche
- Optional: 1.0x Flattener / 0.8x Reducer
Verarbeitung und Mechanik
Bereits beim ersten Kontakt hinterlässt der Askar 120APO einen sehr soliden Eindruck. Die CNC-gefertigten Komponenten, die sehr sauber laufende Taukappe sowie der massive 3,3″-Fokussierer unterstreichen den Anspruch des Geräts.
Der Fokussierer trägt auch schweres Kameraequipment zuverlässig und bietet ausreichend Verstellweg sowie eine 360°-Rotation – ein klarer Vorteil für Astrofotografen mit komplexem Setup.
Bewertung:
✔ Hochwertige Mechanik
✔ 2 Sucherschuhe für Zubehör (z.B. Leitrohr + Asiair)
✔ Astrofotografie-tauglich
✔ Sehr stabiler Fokussierer (360° rotierbar)
Optische Leistung
Farbkorrektur & Schärfe
Die Triplet-Optik mit ED-Element liefert eine sehr gute Farbkorrektur. Chromatische Aberration ist im visuellen Einsatz praktisch nicht sichtbar und auch fotografisch gut kontrolliert.
Die Abbildung zeigt sich:
- kontrastreich
- neutral in der Farbwiedergabe
- mit punktförmigen Sternen über das gesamte Bildfeldes
Auflösung & Detaildarstellung
Mit 120 mm Öffnung spielt das Teleskop deutlich über der 100 mm-Klasse:
- bessere Auflösung
- höherer Kontrast
- mehr Lichtausbeute (≈ 36 % mehr als der Askar 103APO)
In der Praxis bedeutet das:
- feinere Details in Galaxien
- strukturreichere Nebel
- höhere Grenzgröße
Analyse des Spot-Diagramm des 120APO
Bei der Bewertung eines Spot-Diagramms ist zu berücksichtigen, dass es sich um eine theoretische Darstellung aus dem optischen Designprozess handelt. Die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines konkreten Geräts kann hiervon abweichen.
Daher sollten die angegebenen Werte mit entsprechender Vorsicht interpretiert werden, da fertigungstechnische Toleranzen und Serienstreuungen zu unterschiedlichen Ergebnissen in der Praxis führen können.
Askar veröffentlicht ein Spot-Diagramm für den 120APO mit folgenden Werten:
RMS Spot Radius: ~4.5 – 4.7 µm (Zentrum bis Rand)
Geometrischer Radius: ~8.7 – 10.5 µm
Sehr geringe Variation über das Feld (0 → 22 mm)
Extrem gleichmäßige Performance bis in die Ecken.
Für ein f/7-System liegt die typische Airy-Disk-Größe ungefähr bei:
- ~4–6 µm (je nach Wellenlänge)
👉 Das bedeutet:
- Die RMS-Werte (~4.5 µm) liegen praktisch im Bereich der Beugungsgrenze
➡️ Übersetzt:
✅ Optik ist sehr nahe an „perfekt“ (diffraction-limited)
Feldkorrektur (wichtig für Astrofotografie!)
Askar gibt Spots an bei:
- 0 mm (Zentrum)
- 3 mm
- 7 mm
- 14 mm
- 22 mm (Rand / Vollformat)
👉 Was man sieht:
- Spots bleiben kompakt und rund
- Keine deutliche Vergrößerung am Rand
- Keine „Kometenschweife“ (Koma)
- Keine Ellipsen (Astigmatismus)
➡️ Das zeigt:
✅ Der 1.0x Flattener arbeitet sehr gut
→ flaches, korrigiertes Bildfeld
Gesamtfazit
👉 Ja – das Teleskop ist optisch sehr gut für Astrofotografie geeignet.
Genauer gesagt:
🔵 Nahe an beugungsbegrenzter Leistung
🔵 Sehr gute Feldkorrektur mit Flattener
🔵 Gleichmäßige Sternabbildung bis in die Ecken
👉 Das Spot-Diagramm entspricht dem Niveau:
➡️ gehobene Mittelklasse bis obere Klasse APO
Aberration-Checker Pixinsight
Nicht ganz optimale Testbedingungen mit einem schlechten Seeing in der Nacht und der Versuch, mit einer Mono-Kamera die Abbildungsqualität eines Refraktors beurteilen zu wollen.
10 Einzelaufnahme á 30 Sekunden pro RGB-Kanal:

Im APS-C Format (ZWO ASI2600MM Pro) sind keine Aberrationen an den Rändern erkennbar. Die Sterne sehen ein wenig „aufgepumpt“ aus, was u.a. dem schlechten Seeing (deutlich über 2,5″) in der Nacht geschuldet war. Der durchschnittliche RMS lag bei ca. 1,0″ – 1,3″ mit einem Leitrohr mit 250mm Brennweite.
Aberration-Spotter Pixinsight


Astrofotografie-Praxis
Der Askar 120APO ist klar als Astrograph positioniert – und genau hier liegt seine größte Stärke.
Mit nativen 840 mm Brennweite (f/7) eignet er sich besonders für:
- kleinere Galaxien (z.B. M51, M101)
- planetarische Nebel (z.B. M27)
- detailreiche Deep-Sky-Objekte (z.B. Kernregionen Orionnebel oder Rosetten-Nebel)
Die Sternabbildung ist sehr sauber, vorausgesetzt:
- exakte Justage (55mm Abstand Flattner/Reducer-Kamera)
- gutes Guiding (bei 840 mm anspruchsvoller)
Mit dem optionalen 0,8x Reducer wird das System deutlich schneller (f/5.6) und vielseitiger.
Praxisfazit Astrofotografie:
✔ Hohe Detailauflösung
✔ Saubere Sternabbildung (getestet bis APS-C Format)
✔ Flexibel durch Reducer/Flattener
Wer sich ein Teleskop mit 840mm Brennweite kauft, weiß, dass er auch ein exaktes Guiding benötigt um geringen Ausschuß
Testfotos
Rosetten-Nebel (NGC 2237)
Der Rosettennebel eignet sich hervorragend als Testobjekt, da er vergleichsweise hell ist und bereits mit kurzen Belichtungszeiten zahlreiche Details sichtbar werden. Sowohl im Schmalbandbereich (z. B. in der SHO-Palette) als auch im Breitband als RGB-Aufnahme lassen sich aussagekräftige Ergebnisse erzielen.
Teleskop: Askar APO120 mit 1,0x Flattener
Kamera: ZWO ASI2600MM Pro
Filter: Antlia SHO 3nm + LRGB V Filter
Montierung: ZWO AM5N
Steuerung: ZWO Asiair Plus
Nachbearbeitung: Pixinsight mit BXT+NXT und Photoshop
Seeing: schlechtes Seeing 2,5-3,0″


Modifizierte HSS-Aufnahme
In der darauffolgenden Nacht konnte ich nochmals 20 SII Einzelaufnahmen gewinnen, so dass ich eine sternenlose modifizierte HSS Aufnahme anfertigen konnte. Die Aufnahme ist etwas „hart“ entwickelt, um die Kontraste schön hochzuschrauben.
S = 20 x 180 Sek.
H = 20 x 180 Sek.

Leo-Tripplet
Die 840mm Brennweite eigenen sich perfekt für die Fotografie von Galaxien, wie z.B. das Leo-Tripplet, welches im März-April die ganze Nacht am Himmel steht.
Teleskop: Askar APO120 mit 1,0x Flattener
Kamera: ZWO ASI2600MM Pro
Filter: Antlia LRGB V Filter
Montierung: ZWO AM5N
Steuerung: ZWO Asiair Plus
Nachbearbeitung: Pixinsight mit BXT+NXT und Photoshop
Seeing: mittelmäßiges Seeing 2,0-2,5″
Belichtungszeiten:
R=50 x 120 Sek.
G=30 x 120 Sek.
B=30 x 120 Sek.
L=60 x 120 Sek.




Download
Rohdaten FITS-Datei Askar 120APO mit einer ZWO ASI2600MC AIR
Visuelle Beobachtung
Obwohl primär für Fotografie konzipiert, liefert der Askar 120APO auch visuell überzeugende Ergebnisse:
- Mond: sehr scharf, hoher Kontrast, keine Farbsäume
- Planeten: gut, aber mit f/7 nicht wirklich ein Planetengerät
- Deep Sky: hell und detailreich (an M51+M101 getestet)
Ein leichter Nachteil:
- Kein reines Mond- und Planetengerät mit f/7 (aber das weiß man bei der Anschaffung)
Transport & Handling
Mit rund 6–6,5 kg Gesamtgewicht bleibt das Teleskop transportabel und kann auf mittelgroßen Montierungen (z.B. der ZWO AM5N oder Skywatcher EQ-Reihe) betrieben werden.
Allerdings:
- relativ langes Tubusdesign
- windanfälliger als kompakte Systeme
Mit ausgezogener Taukappe und montiertem Kamerastrang liegt die Gesamtlänge bei 110cm.
Ein wesentlicher Vorteil ist die oben angebrachte, durchgehende Schiene zur Aufnahme eines Leitrohrs oder weiteren Zubehörs. Diese ermöglicht es, den Askar 120APO bequem von Hand zu transportieren, was sich insbesondere im mobilen Einsatz als äußerst praktisch erweist.

Stärken und Schwächen
✅ Stärken
- Sehr gute optische Leistung (ED Triplet-Design)
- Hohe Auflösung durch 120 mm Öffnung
- Stabile Mechanik und großer Fokussierer
- Einfache Montage eines EAF (elektronischer Fokussierer, z.B. ZWO EAF)
- Attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis
- Perfekt für Astrofotografie abgestimmt (Flattner und Reducer verfügbar)
❌ Schwächen
- Hohe Anforderungen an Guiding bei 840 mm (keine wirkliche Schwäche)
- Flattener/Reducer Pflicht für Fotografie
- Qualitätsstreuung einzelner Exemplare wird vereinzelt berichtet (Community-Erfahrungen)


Montierungsempfehlung für den Askar 120APO
Der Askar 120 APO lässt sich zuverlässig mit Montierungen der EQ6-Klasse sowie beispielsweise der ZWO AM5N betreiben. Unter Berücksichtigung typischen Zubehörs für die Astrofotografie – wie Kamera, Filterrad und elektronischem Autofokussierer – ergibt sich in der Praxis rasch ein Gesamtgewicht von etwa 10 bis 12 kg.
Als bewährte Faustregel gilt, eine Montierung im fotografischen Einsatz nur zu etwa 60–70 % ihrer maximalen Traglast auszulasten, um eine präzise und stabile Nachführung sicherzustellen.
Montierungsalternativen:
- Sky-Watcher EQ6-R
- iOptron CEM70
- ZWO AM5N

Fazit
Der Askar 120APO ist ein leistungsstarker und vielseitiger Apochromat, der besonders im Bereich der Astrofotografie überzeugt.
Er kombiniert:
- große Öffnung
- sehr gute Farbkorrektur
- robuste Mechanik
mit einem vergleichsweise moderaten Preisniveau.
Damit eignet sich das Teleskop ideal für ambitionierte Astrofotografen, die den nächsten Schritt über die 80–100 mm Klasse hinausgehen möchten, ohne direkt in die High-End-Preiskategorie vorzustoßen.
Gesamturteil:
⭐ Preis-Leistungs-Tipp im 120 mm APO-Segment

Schöner Bericht!
Wie schlägt sich der 120er zum 140er?
Lohnt der deutliche Aufpreis zum 140er?
Warum hast Du den 140er verkauft?
CS
Peter
Hallo Peter,
ob sich der Mehrpreis für den 140er lohnt, hängt stark davon ab, welche Prioritäten Du setzt. Der 140er bietet spürbar mehr Öffnung und Brennweite und damit rund 36–40 % mehr Lichtsammelfläche als der 120er – ein klarer Vorteil, insbesondere bei kleineren und lichtschwächeren Objekten wie Galaxien oder Nebeln.
Allerdings geht dieser Zugewinn mit höheren Kosten und auch mehr Gewicht einher, was man nicht unterschätzen sollte. Mein Askar 140APO war ein sehr leistungsfähiges Instrument, mit dem ich einige schöne Astrofotos aufnehmen konnte. Letztlich habe ich ihn jedoch abgegeben, da sich für mich die Gelegenheit ergab, auf einen TEC 140ED umzusteigen.
Den 120er habe ich mir bewusst als besonders transportable und schnell einsatzbereite Lösung angeschafft. Er lässt sich problemlos einhändig tragen und ebenso unkompliziert auf die Montierung setzen – ein echter Vorteil im mobilen Einsatz.
Wenn Deine Montierung einen 140er problemlos trägt und Dein Fokus auch auf kleineren Deep-Sky-Objekten liegt, ist der 140er definitiv eine Überlegung wert.
Clear Skies Heiko