RGB-Workflow
Ein sauberer PixInsight-Workflow für RGB-Daten (z. B. mit der ZWO ASI2600MC Pro oder ZWO ASI533MC Pro) ist im Kern immer gleich aufgebaut:
Kalibrieren → Integrieren → Linear bearbeiten → Stretch → Nichtlinear optimieren.
Die Kunst liegt in der Reihenfolge und darin, wann man was nicht macht.
Ich zeige dir einen praxisbewährten, schlanken Workflow, wie er auch von vielen fortgeschrittenen Anwendern genutzt wird.
🔧 1. Kalibrierung (WBPP oder manuell)
Am einfachsten über WeightedBatchPreProcessing (WBPP):
- Lights, Darks, Flats, Bias laden
- Wichtige Optionen:
- ✔ Cosmetic Correction (optional, wenn nötig)
- ✔ CFA aktiv (OSC!)
- ✔ Debayer: RGGB (ZWO ASI2600MC)
- ✔ Drizzle nur bei gutem Sampling
👉 Ergebnis:
- kalibrierte & registrierte Lights
- Master Light (integriert)
🧱 2. Grundkorrekturen (Linear Phase!)
Jetzt arbeitest du noch linear (ganz wichtig!).
(a) DynamicCrop
- Ränder entfernen
(b) GraXpert
- Ziel: Gradienten entfernen
👉 Tipp: Den ersten Lauf GraXpert mit einem
Smoothing von 0.9
durchführen und ggf. nach dem Stretching nochmals GraXpert mit Smoothing 0.1 laufen lassen, um etwaige Rest-Gradienten aus dem Bild entfernen.
(c) Farbkalibrierung
Empfohlen:
- SPCC (SpectrophotometricColorCalibration) ⭐
→ moderner Standard in PixInsight
Einstellungen:
- richtige Koordinaten (sonst ImageSolver Skript ausführen)
- Filter: „RGB“
- Katalog laden lassen (Gaia DR3/SP)
👉 Ergebnis: natürliche Farben ohne Rumprobieren
(d) BlurXTerminator (optional, aber stark)
- PSF-Korrektur + Deconvolution
- moderat einsetzen!
👉 Alternative: klassische Deconvolution (aufwendiger)
(e) Rauschreduktion (linear!)
- NoiseXTerminator oder
- MultiscaleLinearTransform
👉 Wichtig: vor dem Stretch
(f) Sternreduktion (optional)
- StarXTerminator:
- Sterne entfernen
- Objekt und Sterne getrennt bearbeiten
Workflow:
- Sterne entfernen (StarXTerminator)
- Objekt (Nebel, Galaxie, …) bearbeiten (Stretch usw.)
- Sterne zurückmischen (PixelMath)
🌗 3. Stretch (der kritische Punkt)
Variante A (modern, empfohlen):
- MultiscaleAdaptiveStretch (MAS)
Variante B (gute Alternative):
- GeneralizedHyperbolicStretch (GHS)
Variante C
- HistogramTransformation
👉 Ziel:
- Signal sichtbar machen
- Sterne nicht ausbrennen
🎨 4. Nichtlineare Bearbeitung
Jetzt kommt der „Look“.
(a) Farboptimierung
- CurvesTransformation:
- Sättigung erhöhen
- Farbkanäle feinjustieren
👉 Vorsicht vor „Bonbonfarben“
(b) Kontrast & Details
- LocalHistogramEqualization
- HDRMultiscaleTransform
👉 nur selektiv (ggf. mit Masken arbeiten!)
(c) Feinschliff
- SCNR (falls Grünstich)
- leichte Schärfung
- evtl. DarkStructureEnhance
🧪 Typischer „Pro“-Workflow (kompakt)
- WBPP
- Crop
- DBE
- SPCC
- BlurXTerminator
- NoiseXTerminator
- StarXTerminator
- Stretch (MAS oder GHS)
- Curves / Kontrast
- Sterne reinblenden
- Feinschliff
💡Tipp: Vor dem Stacking
Vor dem Stacking mit WeightedBatchPreProcessing (WBPP) sollten die Subframes geprüft werden, z.B. mit dem SubframeSelektor in Pixinsight.
Warum?
Der beste Workflow rettet keine schlechten Rohdaten.
Eine bebilderte Schritt-für-Schritt Anleitung für den SubframeSelektor findest Du hier.
