ASTAP in N.I.N.A. einrichten – Plate Solving Schritt für Schritt
Einleitung
N.I.N.A. gehört inzwischen zu den leistungsfähigsten Programmen für die automatisierte Deep-Sky-Astrofotografie. Eine der wichtigsten Funktionen für einen weitgehend automatisierten Aufnahmebetrieb ist dabei das Plate Solving.
Mit Plate Solving kann N.I.N.A. anhand eines aufgenommenen Sternfeldes exakt bestimmen, wohin das Teleskop tatsächlich zeigt. Die Software vergleicht dazu die Sterne des aufgenommenen Bildes mit einer Sterndatenbank und ermittelt daraus die genaue Position und Orientierung des Bildfeldes.
N.I.N.A. unterstützt verschiedene Plate Solver. ASTAP wird in der N.I.N.A.-Dokumentation als empfohlener Plate Solver aufgeführt.
Der große Vorteil von ASTAP besteht darin, dass die Lösung lokal auf dem Aufnahme-PC erfolgt. Für das eigentliche Plate Solving ist damit keine Internetverbindung erforderlich.
In diesem Tutorial zeige ich, wie ASTAP unter Windows installiert wird, welche Sterndatenbank benötigt wird und wie ASTAP anschließend in N.I.N.A. eingerichtet und getestet wird.
Was benötigt wird?
Für die Einrichtung werden drei Dinge benötigt:
- N.I.N.A.
- ASTAP
- eine passende ASTAP-Sterndatenbank
ASTAP und die Sterndatenbanken werden getrennt heruntergeladen. Eine Installation von ASTAP allein reicht deshalb nicht aus.
Die aktuelle ASTAP-Webseite listet derzeit die Version 2026.09.01 als aktuelle reguläre Windows-Version. Zusätzlich stehen Entwicklungs- und Kommandozeilenversionen zur Verfügung.
1. ASTAP herunterladen
Die offizielle Downloadseite befindet sich beim Entwickler:
ASTAP – offizielle Downloadseite
Für einen normalen Windows-11-PC mit Intel- oder AMD-Prozessor wird die Windows-64-Bit-Version benötigt.
Auf der ASTAP-Webseite befindet sich der Download in der Tabelle unter:
Windows 64 bit → Program
Die aktuelle reguläre Version ist zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels:
ASTAP 2026.09.01.
Für die meisten Anwender besteht kein Grund, die Entwicklungs-Version zu verwenden.
Installation
Nach dem Download wird die Installationsdatei ausgeführt.

Der Standardpfad ist:
C:\Program Files\astap
ASTAP kann grundsätzlich auch in einem anderen Verzeichnis installiert werden. Wichtig ist lediglich, dass sich die Anwendung und die benötigten Datenbanken im vorgesehenen ASTAP-Verzeichnis befinden.
Nach der Installation sollte dort unter anderem die Datei
astap.exe
vorhanden sein.

2. Die richtige Sterndatenbank installieren
Das ist ein wichtiger Punkt.
ASTAP besteht nicht nur aus der Programmdatei. Für das Plate Solving wird zusätzlich eine Sterndatenbank benötigt.
Auf der offiziellen ASTAP-Seite stehen inzwischen mehrere Datenbanken zur Verfügung:
- D05
- D20
- D50
- D80
Die neuen Datenbanken unterscheiden sich vor allem durch die enthaltene Sterndichte. ASTAP verwendet dabei nicht mehr ausschließlich eine einfache Grenzgröße, sondern Datenbanken mit unterschiedlichen Sterndichten. Dadurch stehen insbesondere bei sternarmen Bildfeldern ausreichend Referenzsterne zur Verfügung.
Die aktuellen Downloadmöglichkeiten
D80 – sehr große Sterndatenbank
Die Links führen jeweils auf die offizielle ASTAP-Downloadseite, auf der die entsprechenden SourceForge-Downloads direkt verlinkt sind.
Welche Datenbank sollte man verwenden?
Für die meisten Deep-Sky-Setups würde ich D50 oder D80 empfehlen.
ASTAP gibt für die neuen Datenbanken folgende Größenordnung der Sterndichte an:
| Datenbank | Sterndichte | Charakteristik |
|---|---|---|
| D05 | ca. 500 Sterne/Grad² | kleinste Datenbank |
| D20 | ca. 2.000 Sterne/Grad² | guter Kompromiss |
| D50 | ca. 5.000 Sterne/Grad² | sehr gute Allround-Lösung |
| D80 | ca. 8.000 Sterne/Grad² | maximale Sterndichte |
Die D80-Datenbank benötigt allerdings etwa 1,25 GB Speicherplatz. ASTAP weist darauf hin, dass die größere Datenbank grundsätzlich keinen Nachteil beim Solving hat – abgesehen vom zusätzlichen Speicherbedarf.
Für einen modernen Astro-PC mit ausreichend SSD-Speicher würde ich daher D80 installieren.
Gerade bei längeren Brennweiten und kleinen Gesichtsfeldern kann die höhere Sterndichte hilfreich sein.
3. Alte H18-Datenbank – noch verwenden?
Wer ältere ASTAP-Anleitungen im Internet findet, stößt sehr häufig auf die Bezeichnungen:
- H17
- H18
- V17
- G17
- G18
Diese Datenbanken wurden früher sehr häufig empfohlen.
Die Situation hat sich inzwischen geändert.
ASTAP bezeichnet die älteren H17/H18-Datenbanken inzwischen ausdrücklich als obsolete und empfiehlt die neuen D-Datenbanken. Wer bereits eine alte H17/H18-Datenbank installiert hat, kann diese entfernen und auf D05, D20, D50 oder D80 wechseln.
Für eine neue Installation würde ich deshalb keine H18-Datenbank mehr installieren.
4. ASTAP testen
Nach der Installation sollte ASTAP zunächst unabhängig von N.I.N.A. funktionieren.
ASTAP kann direkt gestartet werden.
Anschließend kann beispielsweise ein vorhandenes FITS-Bild geöffnet werden.
Das ist ein sinnvoller Test, denn damit lässt sich feststellen, ob
- ASTAP korrekt installiert wurde,
- die Sterndatenbank gefunden wird,
- das Bild ausreichend Sterne enthält
- und das Plate Solving grundsätzlich funktioniert.
Für einen Test sollte möglichst ein nicht gestrecktes FITS-Bild mit gut sichtbaren Sternen verwendet werden.
ASTAP empfiehlt für das Solving insbesondere FITS, RAW oder 16-Bit-Bilddaten. JPEG ist für diesen Zweck ungünstiger.

5. ASTAP in N.I.N.A. auswählen
Jetzt wird N.I.N.A. eingerichtet.
In N.I.N.A. geht man zu:
Options → Plate Solving
Dort befindet sich der Bereich:
Plate Solving
Bei:
Plate Solver
wird
ASTAP
ausgewählt.
Wenn ASTAP auch als Blind Solver verwendet werden soll, wird ebenfalls:
ASTAP
ausgewählt.

N.I.N.A. unterscheidet zwischen dem normalen beziehungsweise primären Plate Solver und einem Blind Solver. Der Blind Solver kann beispielsweise dann eingesetzt werden, wenn der primäre Solver keine Lösung findet. N.I.N.A. empfiehlt grundsätzlich einen Blind Solver als Rückfallebene.
6. Den ASTAP-Pfad in N.I.N.A. eintragen
Unterhalb der Auswahl des Plate Solvers befindet sich:
Plate Solver Settings
Hier wird ASTAP ausgewählt.
Anschließend muss N.I.N.A. wissen, wo ASTAP installiert wurde.
Bei einer Standardinstallation lautet der Pfad beispielsweise:
C:\Program Files\astap
Gesucht wird die ASTAP-Installation beziehungsweise die darin enthaltene:
astap.exe
N.I.N.A. benötigt diesen Pfad, damit es ASTAP beim Plate Solving automatisch starten kann.

7. Brennweite und Pixelgröße korrekt eintragen
Dieser Punkt wird häufig unterschätzt.
ASTAP kann zwar sehr viel selbst bestimmen, N.I.N.A. benötigt aber für das Plate Solving möglichst korrekte Angaben über das verwendete optische System.
In N.I.N.A. geht man zu:
Options → Equipment → Camera
Hier muss die Pixelgröße des Kamerasensors korrekt eingetragen sein.
Die Angabe erfolgt in Mikrometern (µm).
Bei einer ZWO ASI2600 beträgt die Pixelgröße beispielsweise:
3,76 µm
N.I.N.A. kann die Pixelgröße häufig automatisch vom Kameratreiber übernehmen. Sie sollte trotzdem kontrolliert werden.

Anschließend:
Options → Equipment → Telescope
Hier wird die tatsächliche Brennweite des optischen Systems in Millimetern eingetragen.
Bei einem Teleskop mit Reducer muss dabei die effektive Brennweite mit Reducer verwendet werden – nicht einfach die nominelle Brennweite des Teleskops.
Die N.I.N.A.-Dokumentation weist ausdrücklich darauf hin, dass sowohl Pixelgröße als auch effektive Brennweite möglichst exakt angegeben werden müssen.
Beispiel
Angenommen:
Kamera: ZWO ASI2600
Pixelgröße: 3,76 µm
Teleskop: 530 mm Brennweite
Dann sollte N.I.N.A. entsprechend konfiguriert werden.
Bei einem Reducer für den Askar 120APO beispielsweise:
Teleskop nominal: 840 mm
Reducer: 0,8×
effektive Brennweite: ca. 672 mm
In N.I.N.A. muss dann die effektive Brennweite von 672mm eingetragen werden.

8. Plate-Solving-Einstellungen in N.I.N.A.
Unter:
Options → Plate Solving
stehen weitere Einstellungen zur Verfügung.
Die wichtigsten sind:
Exposure Time
Hier wird die Belichtungszeit für das Plate-Solving-Bild eingestellt.
Als Ausgangspunkt sind etwa:
2–5 Sekunden
sinnvoll.
Bei sehr dunklen Objekten, langen Brennweiten oder schmalbandigen Filtern kann eine längere Belichtungszeit erforderlich sein.
Das Ziel ist nicht ein schönes Astrobild, sondern ein Bild mit ausreichend vielen klar erkennbaren Sternen.
Filter
Für das Plate Solving sollte möglichst ein Filter verwendet werden, der ausreichend Sterne durchlässt.
Bei einer Monokamera mit LRGB- oder Schmalbandfiltern würde ich bevorzugt einen breitbandigen Filter verwenden.
Bei einem reinen Hα- oder OIII-Filter kann das Plate Solving deutlich schwieriger werden, weil wesentlich weniger Sterne sichtbar sind.
Binning
Für das Plate Solving kann Binning sinnvoll sein.
Bei modernen Kameras ist beispielsweise:
2×2
ein guter Ausgangspunkt.
Dadurch reduziert sich die Datenmenge und ASTAP kann schneller arbeiten.
Gain
Wenn hier kein eigener Wert eingetragen wird, kann N.I.N.A. den aktuellen Kamera-Gain verwenden.
Pointing Tolerance
Hier wird festgelegt, wie genau das Teleskop nach dem Plate Solving auf das Ziel positioniert werden soll.
Je kleiner der Wert, desto genauer muss die Positionierung sein.
Für normale Deep-Sky-Aufnahmen ist beispielsweise eine Toleranz von:
1–2 arcmin
ein guter Ausgangspunkt.
Number of Attempts
Hier kann festgelegt werden, wie oft N.I.N.A. einen Plate-Solving-Versuch wiederholen soll.
Gerade bei automatisierten Aufnahmesessions ist es sinnvoll, mehr als einen Versuch zu erlauben.
Meine Standard-Parameter

Meine Standard-Parameter in NINA für ASTAP.
Bei Schmalbandfiltern muss man ggf. auf mehr als 3 Sekunden Belichtungszeit gehen, da sonst zu wenig Sterne gefunden werden.
9. ASTAP als Blind Solver
Eine besonders interessante Möglichkeit ist, ASTAP nicht nur als normalen Plate Solver, sondern auch als Blind Solver zu verwenden.
N.I.N.A. verwendet den Blind Solver unter anderem im Framing Assistant und kann ihn als Rückfallebene verwenden, wenn der primäre Solver nicht erfolgreich ist.
Eine einfache Konfiguration sieht daher so aus:

Damit versucht N.I.N.A. zunächst den normalen Solve und kann bei einem Fehlschlag auf die Blind-Solver-Funktion zurückgreifen.
10. Den ersten Plate-Solve durchführen
Jetzt kann ASTAP direkt in N.I.N.A. getestet werden.
Dazu:
- Montierung verbinden
- Kamera verbinden
- Teleskop verbinden
- Teleskop auf ein sternreiches Gebiet ausrichten
- fokussieren
- ein Bild aufnehmen
- im Image Panel das Plate Solving starten
N.I.N.A. nimmt nun ein Bild auf und übergibt es an ASTAP.
ASTAP sucht nach charakteristischen Sternmustern und vergleicht diese mit seiner Datenbank.
Wenn eine Lösung gefunden wurde, erhält N.I.N.A. unter anderem:
- Rektaszension
- Deklination
- Bildrotation
- Position des Bildzentrums
- weitere astrometrische Informationen
Plate Solving ist damit wesentlich mehr als eine einfache Sternsuche: N.I.N.A. kann aus dem Ergebnis beispielsweise die Montierungsposition korrigieren und anschließend erneut zum Ziel fahren.
11. „Sync“ und „Reslew To Target“
Im Plate-Solving-Fenster von N.I.N.A. gibt es unter anderem die Möglichkeit, das Ergebnis für die Montierung zu verwenden.
Sync
Mit Sync wird die von ASTAP ermittelte Position an die Montierung übergeben.
Die Montierung weiß damit wesentlich genauer, wohin sie tatsächlich zeigt.
Reslew To Target
Mit Reslew To Target kann N.I.N.A. anschließend erneut auf das Ziel fahren.
Damit lässt sich eine sehr präzise Positionierung erreichen.
Für eine wirklich genaue Zentrierung kann N.I.N.A. den Vorgang auch wiederholen, bis die eingestellte Fehlertoleranz unterschritten wird.
12. Warum funktioniert ASTAP manchmal nicht?
Wenn ASTAP kein Ergebnis liefert, sollte man nicht sofort davon ausgehen, dass ASTAP falsch installiert wurde.
Die häufigsten Ursachen sind:
1. Das Bild ist nicht scharf
Plate Solving benötigt erkennbare Sterne.
Ein stark defokussiertes Bild kann deshalb nicht gelöst werden.
2. Zu kurze Belichtungszeit
Sind nur sehr wenige Sterne sichtbar, kann ASTAP kein ausreichendes Sternmuster finden.
Belichtungszeit erhöhen.
3. Zu schmalbandiger Filter
Ein 3-nm-Hα- oder OIII-Filter kann die Zahl der sichtbaren Sterne drastisch reduzieren.
Für das Plate Solving ist ein LRGB- oder anderer breitbandiger Filter meist wesentlich besser geeignet bzw. die Belichtungszeit für den jeweiligen Schmalbandfilter muss erhöht werden.
4. Falsche Brennweite
Eine falsch eingetragene Brennweite kann das Solving erschweren bzw. unmöglich machen.
Insbesondere Reducer, Barlows und Telekonverter müssen berücksichtigt werden.
5. Falsche Pixelgröße
Auch die Pixelgröße muss korrekt sein.
6. Falsche oder fehlende Sterndatenbank
ASTAP benötigt eine passende Datenbank.
7. Zu kleines Gesichtsfeld
Bei langen Brennweiten und kleinen Sensoren wird das Bildfeld klein. Hier ist eine ausreichend dichte Datenbank besonders wichtig.
ASTAP empfiehlt für kleine Gesichtsfelder ausdrücklich die dichteren Datenbanken.
13. Meine Empfehlung für einen modernen Astro-PC
Für einen aktuellen Windows-11-Astro-PC würde ich die Installation so aufbauen:
Windows 11
│
├── N.I.N.A.
│
├── ASTAP 2026.09.01
│ └── C:\Program Files\astap
│
└── ASTAP D80
In N.I.N.A.:
Options
└── Plate Solving
│
├── Plate Solver: ASTAP
├── Blind Solver: ASTAP
└── Use Blind Solver For Failures: ✓
Und unter:
Options
└── Equipment
│
├── Camera
│ └── Pixel Size: korrekt eintragen
│
└── Telescope
└── Focal Length: effektive Brennweite
Damit ist die Grundlage für zuverlässiges Plate Solving geschaffen.
14. Warum ASTAP für N.I.N.A. besonders interessant ist
Der eigentliche Vorteil zeigt sich erst im automatisierten Betrieb.
N.I.N.A. kann Plate Solving beispielsweise einsetzen für:
- exaktes Zentrieren eines Zielobjektes
- Framing Assistant
- automatisches Anfahren von Zielkoordinaten
- Wiederholen einer Aufnahme an einer bereits verwendeten Position
- Re-Centering nach einem Meridian Flip
- automatisierte Aufnahmesequenzen
Damit wird Plate Solving zu einem zentralen Baustein für einen wirklich automatisierten Aufnahmebetrieb. Die N.I.N.A.-Dokumentation nennt insbesondere das Zentrieren von Zielobjekten und das erneute Zentrieren nach einem Meridian Flip als wichtige Einsatzgebiete.
Fazit
Die Einrichtung von ASTAP in N.I.N.A. ist grundsätzlich unkompliziert. Wichtig ist vor allem, nicht bei der Installation des Programms aufzuhören.
Für eine zuverlässige Funktion müssen drei Dinge stimmen:
ASTAP + passende Sterndatenbank + korrekte Angaben zu Kamera und Brennweite.
Für eine neue Installation würde ich heute nicht mehr auf die älteren H18-Datenbanken setzen, sondern eine der aktuellen D-Datenbanken verwenden. Für einen leistungsfähigen Astro-PC ist D80 eine sehr gute Wahl, insbesondere bei kleinen Gesichtsfeldern und langen Brennweiten.
Ist ASTAP einmal korrekt eingerichtet, arbeitet das Plate Solving vollständig lokal und wird in N.I.N.A. zu einer der wichtigsten Grundlagen für eine automatisierte Deep-Sky-Aufnahmesession.
Offizielle Downloads
ASTAP:
ASTAP herunterladen – offizielle Entwicklerseite
D80-Sterndatenbank:
D50-Sterndatenbank:
D20-Sterndatenbank:
D05-Sterndatenbank:
