ZWO AM5N Harmonic Equatorial Mount (2. Generation) – Praxistest & Erfahrung

Die ZWO AM5N Harmonic Equatorial Mount (2. Gen.) gehört zu den spannendsten Montierungen für mobile Astrofotografie. Sie ist kompakt, leicht und setzt auf moderne Harmonic-Drive-Technik, die man sonst eher aus deutlich teureren Montierungen kennt.
Ich habe mir die AM5N genauer angesehen und teile hier meine echten Eindrücke aus der Praxis – ohne Marketingfloskeln.

Kurzüberblick: Was ist die ZWO AM5N?

Die AM5N ist eine parallaktische Montierung mit Harmonic-Getriebe, die alternativ auch im azimutalen Modus betrieben werden kann. Zielgruppe sind vor allem Astrofotografen, die eine leichte, reisefreundliche Montierung suchen, ohne dabei auf präzises Tracking zu verzichten.

Technische Daten

MerkmalSpezifikation
Montierungstyp / ModusParallaktische (German Equatorial) Montierung, alternativ Alt-Azimuth möglich
Getriebe / AntriebStrain-Wave / Harmonic Drive + synchroner Riemen (Reduktionsverhältnis 300:1 bzw. 100:1 je nach Motor-Getriebe)
Periodischer Fehler (Periodic Error, PE)< ± 10″ (innerhalb einer Periode von 288 s)
Nutzlast (Payload)15 kg ohne Gegengewicht, 20 kg mit Gegengewicht (beim Standard 25 cm Abstand)
Gewicht der Montierung (head)5,5 kg
Polhöhen-/Breitenverstellung (Latitude)0° – 90° (geeignet für nördliche und südliche Breiten)
Azimut-Feinverstellung / Ausrichtung± 6° (manuelle Azimut-Feinjustierung)
Schnellkupplung / Tubus-BefestigungLosmandy- & Vixen-Sattelplatte kompatibel
Gegengewichtsstange — SchnittstelleInnengewinde M12 × 1.75 coarse thread
Auflösung / Schrittweite (Stepper Motor)0,17″ pro Schritt
Max. Schwenk-/Slew-Geschwindigkeit6°/s
Stromversorgung & Anschlüsse12 V DC (DC 5.5×2.1 mm, center positive, mindestens 3 A)
StromverbrauchStandby: ~ 0.4–0.5 A; Tracking: ~ 0.7 A; GOTO (normal): ~ 0.9 A; GOTO (Heavy Load / maximale Belastung): bis ~ 1.2–1.7 A
Autoguiding / Guiding-SchnittstelleST4-Port verfügbar; zusätzlich USB/Wi-Fi/Bluetooth für Steuerung (ASCOM, INDI, ZWO-Software)
Kommunikation / SteuerungUSB, Wi-Fi, Bluetooth (Handbox, App, PC)
Home / „Zero“-PositionMechanischer Nullpunkt / Home-Sensor vorhanden
Temperatur-Betrieb-20 °C bis +40 °C (je nach Quelle)
Sicherheitsfunktionen„Power-off“ Bremsmechanismus an der RA-Achse (bei Stromausfall)

Aufbau & Handling – so schlägt sich die AM5N im Alltag

Der erste Eindruck ist durchweg positiv. Die Montierung wirkt sehr sauber verarbeitet und gleichzeitig angenehm kompakt.
Der Aufbau geht schnell: Stativ aufstellen, Montierung aufsetzen, Teleskop montieren – nach etwa 10–15 Minuten ist man startklar.

Besonders praktisch:

  • Die Vixen- und Losmandy-Klemmung ist stabil und einfach zu bedienen
  • Kein klassisches Gegengewicht notwendig (bei leichten Setups)
  • Ideal für die mobile Astrofotografie, da geringes Gewicht und sehr portabel

Eignung für die Astrofotografie

Kurzfazit: sehr gut für Reise-/Field-Astrofotografie mit leichten bis mittleren Deep-Sky-Setups; mit Einschränkungen bei sehr schweren optischen Tuben oder extrem langen Brennweiten ohne Gegengewicht/ausreichende Balance.

Tracking & Guiding: Dank Harmonic-Drive und verbesserter Periodic-Error-Werte (AM5N: ~±10″) liefert die AM5N sehr gutes Tracking; in Testberichten und Nutzer-Messungen sind gerätespezifische RMS-Guiding-Werte von ~0.5″–0.8″ erreichbar (abhängig von Seeing, Guiding-Setup, Belichtungszeit). Das ermöglicht lange Einzelaufnahmen mit Belichtungszeiten von mehreren Minuten bei moderaten Brennweiten (z. B. 400–1000 mm) mit zuverlässigem Guider.

Lastverhalten & Stabilität: mit 13–15 kg Nutzlast eignet sich die AM5N für gängige Refraktoren (80–130 mm), leichte Ritchey-Chrétien oder kleinere Newtons; für schwere 8″ RCs oder lange 2000+ mm Setups ist Vorsicht geboten und ein Gegen­­gewicht bzw. die korrekte Montage / Stativ nötig. Viele Testberichte loben das hohe Payload/Weight-Verhältnis (leichte Montierung, hohe Traglast).

Portable Nutzung / Reisemontierung: sehr leicht und kompakt — ideal für Feld- und Reisefotografie. Das geringe Packmaß ist ein großer Vorteil gegenüber größeren schweren Montierungen. Ich habe die Montierung mit verschiedenen Wide-Field-Astrografen im Einsatz und lege das gesamte Setup inkl. AM5N+Teleskop+Kamera+Stativ mit einer Hand in meinen PKW auf die Rückbank.

Praktische Bildqualität: Aus der praktischen Erfahrung kann ich berichten, dass bei einem sehr guten Polaralignment (dafür sollte man sich Zeit nehmen), RMS-Werte von 0,5″-0,8″ problemlos erreichbar sind. Ich setze immer ein leichtes Gegengewicht (2kg) mit ein, egal welches Teleskop ich auf der AM5N nutze.

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Hervorragendes Gewicht/Traglast-Verhältnis — sehr portabel.
  • Deutlich verbesserter Periodic Error gegenüber Vorgänger (AM5); besseres Tracking/Guiding.
  • Moderne Konnektivität (OTA-Updates, App/PC Unterstützung, Bluetooth/USB).
  • Gute Integration in ZWO-Ökosystem (ASI Kameras, Zubehör).

Nachteile / Einschränkungen

  • Nutzlastangaben variieren zwischen Quellen — bei schweren/langen Optiken ist auf saubere Balance und ggf. Gegengewicht/Stativ zu achten.
  • Harmonic-Drive bietet sehr niedrige Spiel- und Hysteresewerte, aber in sehr hochpräzisen, extremen Langzeit-Projekten könnte eine größere Montierung mit schwererem Gegengewicht/Mechanik noch bessere Stabilität bringen.
  • Zubehör (passendes Stativ, Gegengewichtsstange) ist oft optional/nicht im Standardpaket enthalten; zusätzliches Gewicht durch Zubehör reduziert ggf. die Mobilität.

Erfahrungen aus der Praxis

Ich fasse hier Beobachtungen aus mehreren Reviews, Forenposts und Langzeit-Tests zusammen — praxisnah und handlungsorientiert:

  • Polar Alignment & Setup sind entscheidend. Die AM5N braucht eine sehr gute Polausrichtung. Dafür sollte man sich in der Praxis auch Zeit nehmen, ich nutze dafür die Dämmerungsphase und versuche bis auf wenige Bogensekunden genau an den Pol heranzukommen, was auch praktisch möglich ist. Ohne präzise Polausrichtung sieht man mehr Dec-Drift und Guiding-Korrekturen.
  • Guiding-Performance: In guten Nächten erreicht die AM5N oft RMS-Fehler um 0.5″–0.8″ (je nach Setup). Einige Tester melden sogar stabile Dec-Fehler von ~0.2″ und RA-Werten um 0.7″ — das ist exzellent für diese Gewichtsklasse. Kurz: für die meisten Amateure reicht das für 2–5+ Minuten Einzelsubs bei moderaten Brennweiten.
  • Stativ: Meine Erfahrung ist, dass das von ZWO beworbene Carbon-Stativ nicht besonders geeignet ist für den praktischen Einsatz. Es ist relativ leicht, aber bei mittelschweren Setups schwingt es. Ich habe mir für meine AM5N ein sehr massives Stativ gekauft (Berlebach Planet) und den Eindruck, dass damit auch das Polalignment stabil bleibt über die Nacht und ich keine Sorge habe (z.B. Meridianschwenk), dass bei nicht vollständig ausgezogenem Carbon-Stativ das ganze Setup umkippt.
  • Handling & Bedienkomfort: Innerhalb des ZWO Universums ist das Handling ausgesprochen gut und einfach. Das Zusammenspiel eines ASIAIRS mit der AM5N ist hervorragend. Updates der Software laufen in wenigen Sekunden problemlos durch. Auch das Kabelmanagement der Montierung ist durchdacht und nützlich gegenüber der AM5.
  • Langzeitstabilität / Mechanik: Harmonic-Drive reduziert Backlash praktisch gegen Null — in der Praxis heißt das weniger Micro-Nachjustierung und eine direktere Reaktion beim Guiding. Einige wenige Forenbeiträge thematisieren, dass bei extremen Lasten thermische Effekte oder Montagespiel relevant werden können, was aber meiner Erfahrung nach bei allen leichten Montierungen so ist.
  • Realistisches Setup-Beispiel aus Reviews: Refraktor 90–130 mm mit einer ASI-Kamera + Guiding-Scope ergibt sehr stabile Ergebnisse; auch leichte RCs oder 6–8″ Newtons (abhängig von Länge/Gewicht) funktionieren gut, solange das Stativ (s. Punkt Stativ) stabil genug ist. Für sehr lange Brennweiten (>1500–2000 mm) rate ich ausdrücklich zu einem größerem Gegengewicht, sehr sorgfältiger Balance oder einer massiveren Montierung.

Konkrete Tipps für Anwender / Checkliste

  1. Stabilität vor Mobilität: Wenn möglich, investiere in ein besseres, stabileres Stativ — das verbessert die Nachführung und Stabilität des Gesamtsetups erheblich und bringt oft mehr als die kleinste Nachführoptimierung.
  2. Polar Alignment sorgfältig durchführen Nutze dafür die Dämmerung und versuche die maximale Annäherung an den Pol zu erreichen. Polalignment nochmals überprüfen, in dem man den geführten Prozess in ASIAR nochmals beginnt.
  3. Guiding-Setup testen: 1–2 s Guider-Exposures oft gute Balance zwischen Reaktionsgeschwindigkeit und SNR; starte mit RMS-Ziel <1″. Das Seeing liegt in Deutschland oft zwischen 1,5″-2,0″, daher fährt man mit einem RMS von <1″ gut.
  4. Power-Management: Nutze stabile 12 V Versorgung; Warneingänge/Alarme bei <10.8 V beachten. Ich hatte zu Beginn den Fall, dass meine 12V Kabel das Problem waren! D.h., auf einen vernünftig großen Kabelquerschnitt achten, so dass das Kabel auch wirklich 3A liefern kann an die Montierung. Für den mobilen Einsatz habe ich mir eine große Powerbank mit 1KW gekauft.

Gesamtbewertung / Fazit

Die ZWO AM5N ist eine sehr gelungene, moderne Reisemontierung mit ausgezeichnetem Preis-/Leistungsverhältnis. Sie bietet für ihr Gewicht eine hohe Nutzlast und deutlich verbesserte Nachführgenauigkeit (PEC). Für ambitionierte Hobby-Astrofotografen, die mobil arbeiten oder ein leichtes Setup bevorzugen, ist die AM5N eine Top-Wahl — solange man die Grenzen bei sehr langen Brennweiten und schweren optischen Tuben beachtet und in ein stabiles Stativ sowie sinnvolles Zubehör (Gegengewichtsstange, ggf. größere Gegengewichte) investiert.

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2 Kommentare

  1. Hallo!
    Welche typischen Guiding-Werte erreichst Du mit 300mm Brennweite?
    Ich habe einen WO Redcat 61 mit einer ASI 2600 mit Guiding-Chip im Einsatz.
    Gruß
    Harald

    1. Hallo Harald!
      Ich erreiche mit meiner ZWO AM5N problemlos RMS-Werte von 0,6″-0,8″. In gute Nächten, also wenn das Seeing relativ ruhig ist, ging es sogar bis zu 0,4″-0,5″ runter.
      Clear Skies
      Heiko

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