PixInsight: 10 typische Fehler, die dein Astrofoto schlechter machen
PixInsight ist eines der mächtigsten Programme für die Bearbeitung von Astrofotos. Mit Werkzeugen wie BlurXTerminator, NoiseXTerminator, StarXTerminator, SPCC und PixelMath lassen sich selbst aus scheinbar unspektakulären Rohdaten erstaunlich detaillierte Bilder erzeugen.
Aber genau hier liegt auch das Problem: PixInsight bietet so viele Möglichkeiten, dass man ein gutes Astrofoto genauso leicht verschlimmbessern kann.
Zu viel Schärfung, übertriebene Rauschreduzierung, künstlich kleine Sterne oder eine völlig übersättigte Farbgebung sind typische Ergebnisse eines Workflows, bei dem einzelne Werkzeuge zwar technisch korrekt eingesetzt werden, aber das Gesamtbild aus den Augen verloren wird.
In diesem Tutorial zeige ich 10 typische Fehler in PixInsight, die ich bei der Bearbeitung von Deep-Sky-Aufnahmen immer wieder sehe – und erkläre, wie man sie vermeiden kann.
1. Zu früh und zu stark stretchen
Einer der häufigsten Fehler ist, das lineare Bild möglichst schnell in ein sichtbares, kontrastreiches Bild verwandeln zu wollen.
Das ist verständlich: Nach der Integration sieht das Bild zunächst enttäuschend dunkel und unspektakulär aus. Nach einem kräftigen Stretch tauchen plötzlich Nebelstrukturen und Sterne auf.
Doch ein zu aggressiver Stretch am Anfang schränkt die weitere Bearbeitung erheblich ein.
Warum ist das problematisch?
Beim Stretch werden die Helligkeitswerte des Bildes stark verändert. Schwache Strukturen werden zwar sichtbar, gleichzeitig können aber:
- helle Bereiche ausbrennen
- Sterne unnötig groß werden
- Hintergrundrauschen stärker sichtbar werden
- Farbprobleme deutlicher hervortreten
- feine Strukturen verloren gehen
Gerade bei schwachen Emissionsnebeln sollte man deshalb nicht versuchen, sofort das endgültige Erscheinungsbild zu erzeugen.
Besser:
Möglichst viele wichtige Korrekturen zunächst im linearen Zustand durchführen und erst anschließend kontrolliert stretchen.
Ein möglicher Workflow ist beispielsweise:
Integration → Crop → Gradienten entfernen → SPCC → BXT → NXT → Stretch
Dabei ist die genaue Reihenfolge nicht in Stein gemeißelt. Entscheidend ist, dass man nicht bereits am Anfang sämtliche Kontrastreserven des Bildes verbraucht.
2. BlurXTerminator als „Detailschalter“ missbrauchen
BlurXTerminator gehört zweifellos zu den beeindruckendsten Werkzeugen im modernen PixInsight-Workflow.
Ein leicht unscharfes Bild kann plötzlich wesentlich präziser aussehen.
Und genau deshalb ist die Versuchung groß, den Effekt immer weiter zu erhöhen.
Das Problem
BXT kann nicht tatsächlich verlorene Informationen zurückholen.
Es kann vorhandene Informationen sehr effektiv rekonstruieren und die Darstellung von Sternen und Strukturen verbessern (insb. mit der neuesten ML5 Version von BTX). Wird es aber zu aggressiv eingesetzt, entstehen schnell:
- künstliche Details
- harte Strukturen
- dunkle Ränder
- unnatürlich kleine Sterne
- „plastisch“ wirkende Nebelstrukturen
Besonders auffällig wird das bei Galaxien und feinen Nebelstrukturen.
Mein Tipp
Nicht fragen:
„Wie viele Details kann ich noch herausholen?“
Sondern:
„Sieht das Bild nach der Bearbeitung noch glaubwürdig aus?“
Oft ist eine etwas zurückhaltendere BXT-Einstellung die bessere Wahl.
3. NoiseXTerminator zu aggressiv einsetzen
NoiseXTerminator ist ein fantastisches Werkzeug – aber Rauschen ist nicht automatisch der Feind.
Ein gewisses Maß an feiner Textur gehört zu einem natürlichen Astrofoto.
Wer das Bild so lange entrauscht, bis praktisch keinerlei Rauschen mehr vorhanden ist, erhält schnell einen sehr glatten und künstlichen Look.
Typische Symptome
Das Bild wirkt:
- plastikartig
- weich
- strukturlos
- künstlich glatt
Besonders bei schwachen Nebelstrukturen kann zu starkes Entrauschen feine Details verschlucken.
Besser:
NoiseXTerminator lieber moderat einsetzen.
Noch besser ist es häufig, das Entrauschen gezielt einzusetzen – beispielsweise auf das Objekt und nicht gleichermaßen auf den gesamten Bildbereich.
Bei einer Stern-/Objekttrennung mit StarXTerminator ergeben sich dafür besonders interessante Möglichkeiten.
4. StarXTerminator einsetzen und anschließend die Sterne „wegoptimieren“
StarXTerminator eröffnet völlig neue Möglichkeiten.
Objekt und Sterne können separat bearbeitet werden:
Originalbild → StarXTerminator → Sternloses Bild + Sternbild
Das ist hervorragend für die weitere, getrennte Bearbeitung von Objekt und Sternen.
Problematisch wird es, wenn anschließend versucht wird, die Sterne möglichst klein, dunkel und unauffällig zu machen.
Dieser „Trend“ ist mittlerweile häufig in den Foren zu sehen.
Der typische moderne Astro-Look
Manchmal entsteht dadurch ein Bild mit:
- extrem kleinen Sternen
- kaum sichtbaren Sternfarben
- stark reduziertem Sternfeld
- überbetontem Nebel
Das kann spektakulär aussehen – wirkt aber häufig nicht mehr natürlich.
Besser:
Sterne nicht als störendes Element betrachten.
Sie sind Bestandteil des Bildes bzw. des Objektes.
Eine leichte Reduzierung der Sternengröße kann sinnvoll sein. Die Sterne sollten aber weiterhin glaubwürdig aussehen und zum Maßstab des Objekts passen.
5. SPCC als reine „Farbkorrektur“ betrachten
Spectrophotometric Color Calibration – kurz SPCC – ist ein extrem leistungsfähiges Werkzeug.
Ein häufiger Fehler besteht allerdings darin, SPCC einfach anzuwenden und anschließend zu erwarten, dass das Bild automatisch „fertig koloriert“ ist.
SPCC liefert eine physikalisch besser begründete Farbbasis.
Das bedeutet aber nicht:
SPCC = endgültige Bildfarbe
Gerade bei Emissionsnebeln kann die gewünschte Darstellung anschließend noch deutlich angepasst werden.
Das gilt besonders für:
- HOO
- SHO
- Dualband-Aufnahmen
- stark bearbeitete Emissionsnebel
Deshalb:
SPCC als Ausgangspunkt für eine saubere Farbbasis verstehen – nicht als endgültige kreative Farbkorrektur.
SPCC bei Schmalbandaufnahmen bringt oft auch keine „guten“ Ergebnisse. Hier ist eine manuelle Anpassung deutlich zielführender.
6. Narrowband-Kanäle einfach 1:1 miteinander kombinieren
Dieser Fehler betrifft besonders HOO- und SHO-Aufnahmen.
Wer beispielsweise Ha und OIII einfach mathematisch gleich gewichtet kombiniert, erhält nicht automatisch ein schönes Farbbild.
Das Problem:
Die Signalstärken der einzelnen Kanäle können sich erheblich unterscheiden.
Bei vielen Emissionsnebeln dominiert beispielsweise Hα deutlich gegenüber OIII.
Das Ergebnis kann dann schnell:
- zu rot
- zu orange
- zu grün
- oder insgesamt sehr unausgewogen
wirken.
PixelMath richtig nutzen
Gerade hier ist PixelMath hervorragend geeignet.
Anstatt beispielsweise einfach:
R = Ha
G = OIII
B = OIII
zu verwenden, kann man die Gewichtung der Kanäle gezielt verändern.
Beispielsweise kann ein HOO-Bild durch eine stärkere Gewichtung von OIII deutlich ausgewogener wirken.
Das ist keine „Manipulation“ der Daten – solange transparent bleibt, wie das Bild entstanden ist.
7. Den Hintergrund zu dunkel machen
Ein sehr dunkler Hintergrund vermittelt zunächst den Eindruck eines kontrastreichen Bildes.
Doch ein Hintergrund mit nahezu vollständig abgeschnittenen Himmelshintergrund ist nicht automatisch besser.
Was passiert?
Wird der Hintergrund zu stark abgesenkt:
- verschwinden schwache Nebelanteile
- gehen feine Strukturen verloren
- wirken Übergänge härter
- entsteht ein unnatürlich (!) schwarzer Himmel
Gerade bei großen, schwachen Nebelgebieten kann dadurch ein erheblicher Teil des eigentlichen Motivs verschwinden.
Besser:
Der Hintergrund darf durchaus etwas Helligkeit besitzen.
Ein guter Astrofoto-Hintergrund ist nicht zwingend:
RGB 0 / 0 / 0
Viel wichtiger ist, dass er neutral, sauber und strukturiert wirkt.
8. Zu viel Sättigung
Das ist wahrscheinlich einer der sichtbarsten Fehler überhaupt.
Ein wenig mehr Farbsättigung lässt ein Astrofoto zunächst beeindruckender erscheinen.
Noch etwas mehr sieht noch besser aus.
Und noch etwas mehr …
… bis der Nebel plötzlich aussieht wie ein digitales Gemälde.
Besonders problematisch
Bei HOO- und SHO-Bildern kann eine hohe Sättigung schnell zu extremen Farbtönen führen.
Typische Ergebnisse:
Neon-Grün
Knallorange
Magenta
Violett
Das kann als kreativer Stil durchaus gewollt sein.
Für ein möglichst natürlich wirkendes Astrofoto (wenn man bei Schmalband mit einer speziellen Palette überhaupt davon sprechen kann) ist es aber meistens zu viel.
Mein Tipp
Die Sättigung immer wieder reduzieren und anschließend vergleichen.
Ein guter Test:
Wenn das Bild in der ersten Sekunde beeindruckend wirkt, sollte man es sich anschließend noch einmal in Ruhe ansehen.
Oft stellt man dann fest:
10–20 % weniger Sättigung wären besser gewesen.
PixInsight: 10 typische Fehler, die dein Astrofoto schlechter machen
PixInsight ist eines der mächtigsten Programme für die Bearbeitung von Astrofotos. Mit Werkzeugen wie BlurXTerminator, NoiseXTerminator, StarXTerminator, SPCC und PixelMath lassen sich selbst aus scheinbar unspektakulären Rohdaten erstaunlich detaillierte Bilder erzeugen.
Aber genau hier liegt auch das Problem: PixInsight bietet so viele Möglichkeiten, dass man ein gutes Astrofoto genauso leicht verschlimmbessern kann.
Zu viel Schärfung, übertriebene Rauschreduzierung, künstlich kleine Sterne oder eine völlig übersättigte Farbgebung sind typische Ergebnisse eines Workflows, bei dem einzelne Werkzeuge zwar technisch korrekt eingesetzt werden, aber das Gesamtbild aus den Augen verloren wird.
In diesem Tutorial zeige ich 10 typische Fehler in PixInsight, die ich bei der Bearbeitung von Deep-Sky-Aufnahmen immer wieder sehe – und erkläre, wie man sie vermeiden kann.
1. Zu früh und zu stark stretchen
Einer der häufigsten Fehler ist, das lineare Bild möglichst schnell in ein sichtbares, kontrastreiches Bild verwandeln zu wollen.
Das ist verständlich: Nach der Integration sieht das Bild zunächst enttäuschend dunkel und unspektakulär aus. Nach einem kräftigen Stretch tauchen plötzlich Nebelstrukturen und Sterne auf.
Doch ein zu aggressiver Stretch am Anfang schränkt die weitere Bearbeitung erheblich ein.
Warum ist das problematisch?
Beim Stretch werden die Helligkeitswerte des Bildes stark verändert. Schwache Strukturen werden zwar sichtbar, gleichzeitig können aber:
- helle Bereiche ausbrennen
- Sterne unnötig groß werden
- Hintergrundrauschen stärker sichtbar werden
- Farbprobleme deutlicher hervortreten
- feine Strukturen verloren gehen
Gerade bei schwachen Emissionsnebeln sollte man deshalb nicht versuchen, sofort das endgültige Erscheinungsbild zu erzeugen.
Besser:
Möglichst viele wichtige Korrekturen zunächst im linearen Zustand durchführen und erst anschließend kontrolliert stretchen.
Ein möglicher Workflow ist beispielsweise:
Integration → Crop → Gradienten entfernen → SPCC → BXT → NXT → Stretch
Dabei ist die genaue Reihenfolge nicht in Stein gemeißelt. Entscheidend ist, dass man nicht bereits am Anfang sämtliche Kontrastreserven des Bildes verbraucht.
2. BlurXTerminator als „Detailschalter“ missbrauchen
BlurXTerminator gehört zweifellos zu den beeindruckendsten Werkzeugen im modernen PixInsight-Workflow.
Ein leicht unscharfes Bild kann plötzlich wesentlich präziser aussehen.
Und genau deshalb ist die Versuchung groß, den Effekt immer weiter zu erhöhen.
Das Problem
BXT kann nicht tatsächlich verlorene Informationen zurückholen.
Es kann vorhandene Informationen sehr effektiv rekonstruieren und die Darstellung von Sternen und Strukturen verbessern. Wird es aber zu aggressiv eingesetzt, entstehen schnell:
- künstliche Details
- harte Strukturen
- dunkle Ränder
- unnatürlich kleine Sterne
- „plastisch“ wirkende Nebelstrukturen
Besonders auffällig wird das bei Galaxien und feinen Nebelstrukturen.
Mein Tipp
Nicht fragen:
„Wie viele Details kann ich noch herausholen?“
Sondern:
„Sieht das Bild nach der Bearbeitung noch glaubwürdig aus?“
Oft ist eine etwas zurückhaltendere BXT-Einstellung die bessere Wahl.
3. NoiseXTerminator zu aggressiv einsetzen
NoiseXTerminator ist ein fantastisches Werkzeug – aber Rauschen ist nicht automatisch der Feind.
Ein gewisses Maß an feiner Textur gehört zu einem natürlichen Astrofoto.
Wer das Bild so lange entrauscht, bis praktisch keinerlei Rauschen mehr vorhanden ist, erhält schnell einen sehr glatten und künstlichen Look.
Typische Symptome
Das Bild wirkt:
- plastikartig
- weich
- strukturlos
- künstlich glatt
Besonders bei schwachen Nebelstrukturen kann zu starkes Entrauschen feine Details verschlucken.
Besser:
NoiseXTerminator lieber moderat einsetzen.
Noch besser ist es häufig, das Entrauschen gezielt einzusetzen – beispielsweise auf das Objekt und nicht gleichermaßen auf den gesamten Bildbereich.
Bei einer Stern-/Objekttrennung mit StarXTerminator ergeben sich dafür besonders interessante Möglichkeiten.
4. StarXTerminator einsetzen und anschließend die Sterne „wegoptimieren“
StarXTerminator eröffnet völlig neue Möglichkeiten.
Objekt und Sterne können separat bearbeitet werden:
Originalbild → StarXTerminator → Sternloses Bild + Sternbild
Das ist hervorragend.
Problematisch wird es, wenn anschließend versucht wird, die Sterne möglichst klein, dunkel und unauffällig zu machen.
Der typische moderne Astro-Look
Manchmal entsteht dadurch ein Bild mit:
- extrem kleinen Sternen
- kaum sichtbaren Sternfarben
- stark reduziertem Sternfeld
- überbetontem Nebel
Das kann spektakulär aussehen – wirkt aber häufig nicht mehr natürlich.
Besser:
Sterne nicht als störendes Element betrachten.
Sie sind Bestandteil des Bildes.
Eine leichte Reduzierung der Sternengröße kann sinnvoll sein. Die Sterne sollten aber weiterhin glaubwürdig aussehen und zum Maßstab des Objekts passen.
5. SPCC als reine „Farbkorrektur“ betrachten
Spectrophotometric Color Calibration – kurz SPCC – ist ein extrem leistungsfähiges Werkzeug.
Ein häufiger Fehler besteht allerdings darin, SPCC einfach anzuwenden und anschließend zu erwarten, dass das Bild automatisch „fertig koloriert“ ist.
SPCC liefert eine physikalisch besser begründete Farbbasis.
Das bedeutet aber nicht:
SPCC = endgültige Bildfarbe
Gerade bei Emissionsnebeln kann die gewünschte Darstellung anschließend noch deutlich angepasst werden.
Das gilt besonders für:
- HOO
- SHO
- Dualband-Aufnahmen
- stark bearbeitete Emissionsnebel
Deshalb:
SPCC als Ausgangspunkt für eine saubere Farbbasis verstehen – nicht als endgültige kreative Farbkorrektur.
6. Narrowband-Kanäle einfach 1:1 miteinander kombinieren
Dieser Fehler betrifft besonders HOO- und SHO-Aufnahmen.
Wer beispielsweise Ha und OIII einfach mathematisch gleich gewichtet kombiniert, erhält nicht automatisch ein schönes Farbbild.
Das Problem:
Die Signalstärken der einzelnen Kanäle können sich erheblich unterscheiden.
Bei vielen Emissionsnebeln dominiert beispielsweise Hα deutlich gegenüber OIII.
Das Ergebnis kann dann schnell:
- zu rot
- zu orange
- zu grün
- oder insgesamt sehr unausgewogen
wirken.
PixelMath richtig nutzen
Gerade hier ist PixelMath hervorragend geeignet.
Anstatt beispielsweise einfach:
R = Ha
G = OIII
B = OIII
zu verwenden, kann man die Gewichtung der Kanäle gezielt verändern.
Beispielsweise kann ein HOO-Bild durch eine stärkere Gewichtung von OIII deutlich ausgewogener wirken.
Das ist keine „Manipulation“ der Daten – solange transparent bleibt, wie das Bild entstanden ist.
7. Den Hintergrund zu dunkel machen
Ein sehr dunkler Hintergrund vermittelt zunächst den Eindruck eines kontrastreichen Bildes.
Doch ein Hintergrund mit nahezu vollständig abgeschnittenen Schatten ist nicht automatisch besser.
Was passiert?
Wird der Hintergrund zu stark abgesenkt:
- verschwinden schwache Nebelanteile
- gehen feine Strukturen verloren
- wirken Übergänge härter
- entsteht ein unnatürlich schwarzer Himmel
Gerade bei großen, schwachen Nebelgebieten kann dadurch ein erheblicher Teil des eigentlichen Motivs verschwinden.
Besser:
Der Hintergrund darf durchaus etwas Helligkeit besitzen.
Ein guter Astrofoto-Hintergrund ist nicht zwingend:
RGB 0 / 0 / 0
Viel wichtiger ist, dass er neutral, sauber und strukturiert wirkt.
8. Zu viel Sättigung
Das ist wahrscheinlich einer der sichtbarsten Fehler überhaupt.
Ein wenig mehr Farbsättigung lässt ein Astrofoto zunächst beeindruckender erscheinen.
Noch etwas mehr sieht noch besser aus.
Und noch etwas mehr …
… bis der Nebel plötzlich aussieht wie ein digitales Gemälde.
Besonders problematisch
Bei HOO- und SHO-Bildern kann eine hohe Sättigung schnell zu extremen Farbtönen führen.
Typische Ergebnisse:
Neon-Grün
Knallorange
Magenta
Violett
Das kann als kreativer Stil durchaus gewollt sein.
Für ein möglichst natürlich wirkendes Astrofoto ist es aber meistens zu viel.
Mein Tipp
Die Sättigung immer wieder reduzieren und anschließend vergleichen.
Ein guter Test:
Wenn das Bild in der ersten Sekunde beeindruckend wirkt, sollte man es sich anschließend noch einmal in Ruhe ansehen.
Oft stellt man dann fest:
10–20 % weniger Sättigung wären besser gewesen.
9. Das Bild ständig bei 200–400 % Vergrößerung beurteilen
Ein weiterer Klassiker.
Man zoomt immer weiter hinein:
100 %
200 %
400 %
800 %
Und plötzlich entdeckt man:
- kleine Artefakte
- Pixelstrukturen
- minimale Halos
- Rauschen
- kleine Sternfehler
Diese werden dann so lange bearbeitet, bis das Bild bei 400 % perfekt aussieht.
Nur:
Niemand betrachtet das fertige Astrofoto normalerweise mit 400 % Vergrößerung.
Warum das wichtig ist
Viele Bearbeitungsschritte sehen bei extremer Vergrößerung problematisch aus, während sie bei normaler Betrachtung überhaupt nicht auffallen.
Umgekehrt kann ein Bild bei 400 % hervorragend aussehen und bei 100 % völlig überbearbeitet wirken.
Deshalb:
Das Bild regelmäßig in verschiedenen Maßstäben beurteilen:
25 % – Gesamtwirkung
50 % – Struktur und Komposition
100 % – Details und Sterne
Und nur gelegentlich stärker hineinzoomen, um technische Probleme zu kontrollieren.
Klassische Fotografie
Bei einem klassischen Landschafts- oder Streetfoto entsteht die Bildführung beispielsweise durch Linien, Kontraste, Farben, Schärfeebenen, Größenverhältnisse oder einen Vordergrund. Bei Astrofotos fehlen viele dieser Gestaltungsmöglichkeiten zunächst. Trotzdem kann man das Auge auch dort bewusst durch das Bild führen.
Ein gutes Astrofoto lebt nicht allein von möglichst viel Signal. Es braucht eine Bildkomposition, die dem Auge einen Weg durch das Bild vorgibt.
Ein wichtiger Unterschied zur Tageslichtfotografie ist allerdings: Bei Astrofotografie entsteht leicht die Versuchung, jedes vorhandene Signal sichtbar machen zu wollen. Technisch kann man beispielsweise mit modernen Tools wie BXT, NXT oder starkem Stretching immer noch mehr Strukturen herausarbeiten. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass das Bild besser wird.
„Astrofotografie ist nicht die Kunst, möglichst viel Signal in einem Bild unterzubringen. Sie ist die Kunst, aus diesem Signal ein Bild zu machen.“
10. Zu lange bearbeiten
Dieser Fehler ist wahrscheinlich der schwierigste.
Man sitzt bereits zwei Stunden am Bild.
Es sieht gut aus.
Dann denkt man:
„Ein bisschen geht bestimmt noch.“
Also:
mehr Kontrast.
mehr Sättigung.
mehr Schärfe.
kleinere Sterne.
noch etwas Entrauschen.
noch eine Farbkorrektur.
Und irgendwann ist das ursprüngliche, natürliche Bild kaum noch wiederzuerkennen.
Der wichtigste PixInsight-Tipp überhaupt
Nicht jeder mögliche Bearbeitungsschritt muss durchgeführt werden.
PixInsight bietet hunderte Möglichkeiten.
Das bedeutet nicht, dass man sie alle verwenden sollte.
Ein gutes Bild kann durchaus aus einem relativ kurzen Workflow entstehen:
Integration
→ Gradientenkorrektur
→ Farbkalibrierung
→ BXT
→ NXT
→ Stretch
→ dezente Farb- und Kontrastkorrektur
→ fertig
Wenn das Bild an diesem Punkt bereits gut aussieht, sollte man ernsthaft darüber nachdenken, es einfach so zu lassen.
Mein persönlicher Grundsatz für PixInsight
Bei der modernen Astrofotografie hat sich der Workflow in den letzten Jahren stark verändert.
Werkzeuge wie BXT, NXT und SXT ermöglichen Bearbeitungsschritte, die vor wenigen Jahren noch wesentlich schwieriger waren.
Das ist großartig.
Aber gerade deshalb sollte man sich eine einfache Frage stellen:
Verbessere ich gerade tatsächlich die Aufnahme – oder demonstriere ich nur, was PixInsight alles kann?
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Denn ein Astrofoto wird nicht automatisch besser, wenn mehr Bearbeitungsschritte darin stecken.
Ein sinnvoller moderner PixInsight-Workflow
Für viele Deep-Sky-Aufnahmen kann beispielsweise folgender Ablauf eine gute Ausgangsbasis sein:
LINEAR
1. WBPP / Integration
↓
2. Dynamic Crop
↓
3. Gradienten entfernen
↓
4. SPCC
↓
5. BlurXTerminator
↓
6. NoiseXTerminator
↓
7. StarXTerminator
↓
NON-LINEAR
8. kontrollierter Stretch
↓
9. Objekt bearbeiten
↓
10. Sterne separat bearbeiten
↓
11. Objekt + Sterne wieder kombinieren
↓
12. finale Farb- und Kontrastkorrektur
↓
13. Export
Diese Reihenfolge ist natürlich kein Dogma. Je nach Kamera, Filter, Motiv, Datenqualität und gewünschtem Ergebnis kann ein anderer Ablauf sinnvoller sein.
Gerade bei Narrowband-Aufnahmen kommen zusätzlich beispielsweise PixelMath, ChannelCombination oder spezielle Farbtransformationen ins Spiel.
Fazit
PixInsight ist kein Programm, das automatisch ein gutes Astrofoto produziert.
Es ist vielmehr ein extrem leistungsfähiges Werkzeug, mit dem sich gute Rohdaten außergewöhnlich weit bearbeiten lassen.
Die größte Herausforderung besteht deshalb häufig nicht darin, mehr aus dem Bild herauszuholen, sondern zu erkennen, wann genug herausgeholt wurde.
Die wichtigsten Regeln lassen sich deshalb erstaunlich einfach zusammenfassen:
Nicht zu stark stretchen.
BXT nicht übertreiben.
NXT nicht alles glattbügeln lassen.
SXT nicht zur kompletten Sternvernichtung verwenden.
SPCC als Grundlage und nicht als Endergebnis verstehen.
Narrowband-Kanäle bewusst gewichten.
Den Hintergrund nicht künstlich auf Schwarz drücken.
Mit der Farbsättigung vorsichtig umgehen.
Nicht ausschließlich bei 400 % Zoom arbeiten.
Und vor allem: irgendwann aufhören.
Denn das beste PixInsight-Bild ist nicht dasjenige, bei dem man die meisten Werkzeuge eingesetzt hat.
Es ist das Bild, bei dem die Bearbeitung nicht mehr auffällt – sondern das Motiv.
