M13 – Der große Kugelsternhaufen im Herkules
Eine beeindruckende Aufnahme mit dem Askar 120APO und der ZWO ASI2600MM Pro
Es gibt Deep-Sky-Objekte, bei denen bereits die erste bearbeitete Aufnahme zeigt, wie gut das Zusammenspiel aus Teleskop, Kamera und Aufnahmetechnik funktioniert. Meine aktuelle Aufnahme des Kugelsternhaufens M13 im Sternbild Herkules gehört für mich genau in diese Kategorie.
Entstanden ist das Bild mit dem Askar 120APO, einer ZWO ASI2600MM Pro und einem Satz Antlia LRGB-Filter. Das Ergebnis hat mich dabei besonders durch die enorme Auflösung und die natürlichen Farben der Sterne überrascht. Selbst im Zentrum des Kugelsternhaufens lassen sich die einzelnen Sterne sehr weit hinein auflösen.
Interessanterweise hatte ich bereits einige Nächte zuvor den ebenfalls sehr bekannten Kugelsternhaufen M92 aufgenommen. Obwohl auch M92 ein ausgesprochen interessantes und fotogenes Objekt ist, gefällt mir M13 in der fertigen Aufnahme deutlich besser. M13 wirkt durch seine Größe, die enorme Anzahl unterschiedlich heller Sterne und die auffällige Farbvielfalt einfach spektakulärer und ästhetischer.
Das verwendete Setup
Für die Aufnahme kam folgendes Setup zum Einsatz:
- Teleskop: Askar 120APO
- Brennweite: 840 mm
- Kamera: ZWO ASI2600MM Pro
- Filter: Antlia LRGB
- Montierung: ZWO AM5N
- Aufnahmemethode: LRGB
- Belichtungszeit: 55 × 120 Sekunden pro RGB-Kanal
- Gesamtbelichtungszeit: 165 × 120 Sekunden = 5 Stunden 30 Minuten
Die 55 Einzelaufnahmen pro Farbkanal ergeben dabei jeweils 110 Minuten Integrationszeit für Rot, Grün und Blau.
Gerade bei einem Kugelsternhaufen wie M13 ist eine möglichst saubere und punktförmige Sternabbildung entscheidend. Hier konnte der Askar 120APO seine Stärken voll ausspielen.
Die ZWO AM5N als Montierung
Als Montierung kam die ZWO AM5N zum Einsatz. In Kombination mit dem 120APO hat sie sich erneut hervorragend geschlagen.
Während der Aufnahmen lag der erreichte RMS-Wert bei etwa 0,5 Bogensekunden. Damit waren die Sterne über die gesamte Aufnahmeserie sehr sauber und punktförmig.
Gerade bei einer Brennweite von 840 mm ist das ein wichtiger Punkt. M13 besteht aus einer enormen Anzahl dicht stehender Sterne. Schon eine leichte Bewegungsunschärfe oder nicht optimal nachgeführte Sterne würde sich in der zentralen Region sofort bemerkbar machen.
Die AM5N zeigte hier keinerlei Probleme und harmonierte sehr gut mit dem Askar 120APO.
55 Einzelaufnahmen pro Farbkanal
Für jeden der drei RGB-Kanäle wurden 55 Einzelaufnahmen mit jeweils 120 Sekunden Belichtungszeit aufgenommen.
Damit ergibt sich:
| Kanal | Einzelaufnahmen | Belichtungszeit | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Rot | 55 | 120 s | 110 min |
| Grün | 55 | 120 s | 110 min |
| Blau | 55 | 120 s | 110 min |
| Gesamt | 165 | 120 s | 5 h 30 min |
Für einen relativ hellen Kugelsternhaufen wie M13 ist diese Belichtungszeit bereits völlig ausreichend, um ein sehr sauberes Signal zu erhalten. Gleichzeitig ermöglichen die Einzelaufnahmen eine gute Kontrolle über die Sterne und reduzieren das Risiko, dass einzelne fehlerhafte Aufnahmen das Endergebnis beeinflussen.
Die Bearbeitung in PixInsight
Bei der anschließenden Bildbearbeitung habe ich bewusst auf einen möglichst einfachen Workflow gesetzt.
Zunächst wurden die einzelnen RGB-Kanäle verarbeitet und anschließend über ChannelCombination zu einem Farbbild zusammengeführt.
Danach kam die Spectrometric Color Calibration (SPCC) zum Einsatz. Gerade bei einem Sternhaufen mit einer großen Anzahl unterschiedlich gefärbter Sterne ist eine möglichst korrekte Farbwiedergabe interessant. M13 zeigt nämlich nicht einfach nur weiße Sterne. Bei genauer Betrachtung reicht das Farbspektrum von eher bläulichen bis zu deutlich wärmeren gelblich-orangefarbenen Sternen.
Anschließend kamen BlurXTerminator (BXT) und NoiseXTerminator (NXT) zum Einsatz.
Dabei habe ich bewusst nicht versucht, das Bild mit zahlreichen weiteren Bearbeitungsschritten zu überladen. Nach BXT und NXT erfolgte lediglich ein sehr moderater Stretch mit Multiscale Adaptive Stretch.
Das war im Grunde bereits der größte Teil der Bildbearbeitung in PixInsight.
Nur noch etwas Feinarbeit in Photoshop
Nach der Bearbeitung in PixInsight habe ich das Bild noch in Adobe Photoshop geöffnet und die Farben geringfügig angepasst.
Auch hier ging es nicht darum, das Bild massiv zu verändern oder künstlich zu dramatisieren. Die Anpassungen dienten hauptsächlich dazu, die bereits vorhandenen Farbinformationen etwas besser herauszuarbeiten.
Das Ergebnis hat mich gerade deshalb überzeugt, weil für das fertige Bild erstaunlich wenig Bearbeitung notwendig war.
Die Farbinformationen waren bereits in den Rohdaten sehr schön vorhanden.

M13 bis ins Zentrum aufgelöst
Die größte Stärke der Aufnahme liegt für mich jedoch eindeutig in der Auflösung.
M13 ist mit einer Entfernung von rund 25.000 Lichtjahren zwar weit von uns entfernt, erscheint am Himmel aber als vergleichsweise kompakter Kugelsternhaufen. In seinem Zentrum befinden sich zehntausende Sterne auf engstem Raum.
Mit dem Askar 120APO und der ASI2600MM Pro lässt sich dieser Bereich erstaunlich weit auflösen. Selbst in Richtung Zentrum bleiben zahlreiche einzelne Sterne sichtbar, anstatt einfach zu einem hellen, strukturlosen Fleck zu verschmelzen.
Genau hier zeigt sich auch, wie wichtig eine gute Nachführung ist. Die Kombination aus der optischen Qualität des 120APO, dem feinen Sampling der ASI2600MM Pro und den rund 0,5″ RMS der AM5N liefert eine sehr gute Grundlage für eine solche Aufnahme.

M13 oder M92?
Wie bereits erwähnt, hatte ich einige Nächte zuvor auch M92 mit praktisch demselben fotografischen Ansatz aufgenommen.
M92 ist ebenfalls ein ausgesprochen schöner Kugelsternhaufen und eignet sich hervorragend für hochauflösende Aufnahmen. Trotzdem gefällt mir das Ergebnis von M13 deutlich besser.
M13 wirkt auf mich insgesamt spektakulärer. Der Kugelsternhaufen ist größer, zeigt eine beeindruckende Sternendichte und besitzt eine besonders schöne Mischung aus unterschiedlich gefärbten Sternen.
Vor allem die zahlreichen gelblichen und orangefarbenen Sterne zwischen den vielen eher bläulich-weißen Sternen sorgen für eine sehr lebendige Darstellung.
Das Ergebnis wirkt dadurch nicht nur technisch hochauflösend, sondern auch ausgesprochen ästhetisch.

Fazit
Diese M13-Aufnahme ist für mich ein sehr schönes Beispiel dafür, dass ein gutes Astrofoto nicht zwangsläufig durch einen extrem komplizierten Bearbeitungsworkflow entstehen muss.
Die entscheidenden Voraussetzungen waren hier ein leistungsfähiges optisches System, eine empfindliche Monokamera, hochwertige LRGB-Filter und eine präzise Nachführung.
Der Askar 120APO hat dabei erneut gezeigt, dass er nicht nur für ausgedehnte Deep-Sky-Nebel interessant ist, sondern auch bei kleinen und detailreichen Objekten eine hervorragende Figur macht.
Zusammen mit der ZWO ASI2600MM Pro und der ZWO AM5N entstand ein Bild, bei dem bereits die Rohdaten eine sehr gute Grundlage lieferten. Nach ChannelCombination, SPCC, BXT, NXT und einem sehr moderaten Stretch war das Bild im Wesentlichen bereits fertig.
Die anschließende leichte Farbanpassung in Photoshop war nur noch Feinarbeit.
Besonders beeindruckend finde ich die Kombination aus Auflösung und Farbwiedergabe: M13 wird bis weit in das Zentrum hinein in einzelne Sterne aufgelöst und gleichzeitig bleiben die unterschiedlichen Sternfarben sehr schön sichtbar.
Für mich ist diese Aufnahme deshalb nicht nur ein weiterer Test des Askar 120APO, sondern eines der bisher ästhetischsten Ergebnisse, die ich mit diesem Teleskop erzielt habe.

Moin Heiko!
Passend zum Morgenkaffee, ein neuer Aufnahmebericht!!
Für mich ist M13 ebenfalls einer der schönsten Kugelsternhaufen überhaupt. Besonders gelungen finde ich hier die Sternfarben mit der Mischung aus den vielen bläulich-weißen Sternen und den warmen gelblich-orangefarbenen Sternen macht das Bild sehr lebendig!
Und dass der zentrale Bereich nicht einfach zu einer hellen Fläche verschmilzt, sondern noch so viele einzelne Sterne sichtbar sind, macht die Aufnahme wirklich klasse.
Hallo Thorsten und vielen Dank!
Auch für mich ist M13 einfach der schönste Kugelsternhaufen am Nordhimmel. Ich hatte noch M53 aufgenommen, der aber noch weniger „mithalten“ kann von der Ästhetik, Brillanz und Größe von M13.
Clear Skies
Heiko